Noise and Resistance – Voices from the DIY Underground

Es geht auch anders. Kommerz, Kapital und Konsum sind keine unumstößliche Notwendigkeit unserer Gegenwart. Dass man mit dieser Meinung nicht allein sein muss, zeigen Francesca Araiza Andrade und Julia Ostertag in ihrem wütenden und mitreißenden Dokumentarfilm „Noise and Resistance“. Was manchen nur als Lärm und Störung gilt, machen sie als vitale Artikulation des Widerstands deutlich : Punk ist hier weder Modeerscheinung noch verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern der lebendige Ausdruck eines Lebensgefühls.
Die beiden Regisseurinnen begeben sich mitten hinein in eine höchstlebendige und pulsierende, eine aufbegehrende und selbstbewusste Szene. Ob Hausbesetzer aus Barcelona, Antifaschisten in Moskau, niederländische Gewerkschaftskämpfer, die Aktivisten des englischen CRASS – Kollektivs, queere Wagenplatzbewohner aus Berlin oder Punkgirl-Bands in Schweden – immer ist die Musik eine kollektive Selbstbehauptung, ein vertontes Nein, dessen Losung „Do it yourself!“ zur lautstarken Internationale des 21. Jahrhundert geworden ist.
„Noise and Resistance“ ist eine inspirierende Reise durch Europas Utopia der Gegenwart, an subkulturelle Sehnsuchtsorte, wo aus Unabhängigkeit Gemeinschaft entsteht – und der beste Punk-Sound, den man seit Jahren gehört hat.
]]>Dass die Zwänge der kapitalistischen Ökonomie Auswirkungen auf unsere Psyche, unsere Emotionen, also unser Seelenheil im weitesten Sinne haben, dürfte zum Allgemeinwissen halbwegs aufgeklärter Menschen gehören.
Schlagworte wie „Burn Out“, Depressionen, Mobbing usw. sind immerwährende Themen in den Medien.
Im Rahmen einer Veranstaltung in der „Barrikade“ referieren die Diplom-Psychologin Alisha Pilenko und der Neurowissenschaftler Dr. Burkhard Wiebel daüber, wie die Zusammenhänge des neoliberalen Kapitalismus Einfluß auf die persönlichen Verhaltensmuster nehmen und zu psychosomatischen Erkrankungen führen. Im Vortrag werden die wichtigsten gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse allgemein verständlich dargeboten.
Im Anschluß an den Vortrag besteht Gelegenheit, Details kritisch zu hinterfragen mit dem Ziel, im Rahmen einer offenen Diskussion sowohl individuelle als auch kollektive Widerstandsmöglichkeiten zu finden und zu erörtern.
Die beiden ReferentInnen haben das Buch „Mechanismen psychosozialer Zerstörung. Neoliberales Herrschaftsdenken, Stressfaktoren der Prekarität, Widerstand“ mit herausgebracht.
Eine Vortrags- u. Diskussionsveranstaltung des Syndikat-A
Der Eintritt ist frei.

Wie politisch sind die Riots in England?
„Sie rauben Toilettenpapier? Gebt Ihnen lieber Kondome, damit sie sich nicht weiter vermehren.“ So kommentiert ein Focus-Leser die Ereignisse in London. Das kennen wir schon: Der Begriff „Proletariat“ bezeichnete ursprünglich diejenigen, die sich zu stark vermehren. FDP-Jungspund Daniel Bahr hat diese Ursprungsbedeutung wieder aufgegriffen („In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder“) und Thilo Sarrazins „Kopftuchmädchen“ kommen ebenfalls aus der gleichen Argumentationsschule.
Die Solidarity Federation North London (britische Anarcho-SyndikalistInnen) stellt in ihrem Statement zu den Riots klar: „Läden abzufackeln, über denen sich Wohnungen befinden, die Transportmittel, mit denen Leute zu ihren Jobs fahren müssen und ähnlicher Schwachsinn, sind ein Angriff auf uns selbst und sollten […] entschieden bekämpft werden […]“. Sie betont aber auch: „Die Wut aus den Armenvierteln ist wie sie ist, hässlich und unkontrolliert, aber nicht unvorhersehbar. Großbritannien hat seine sozialen Probleme jahrzehntelang verschleiert, sie mit einer brutalen Kette bewaffneter Büttel eingezäunt.“ Auch wenn es sich kaum äußert: Die Riots sind politisch. Die Medien präsentieren uns als Anlass den Tod eines kriminellen schwarzen (sic!) Familienvaters. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Hinter den Riots steckt eine jahrzehntelange britische Politik, die mit Thatcher, dem Krieg gegen die Gewerkschaften der Miners und der Poll Tax beginnt und heutigentags mit einer extrem verschärften Überwachung, Gesetzen gegen „Herumlungern“, Knastneubauten etc. fortgesetzt wird. In Sachen „Krise“ mag man wenig aus England hören, weil die Auswirkungen für die internationale Ökonomie vergleichsweise gering sind – in Sachen Repression und Unterdrückung der proles ist Großbritannien aber ganz vorne.
Athen: Generalstreik. London: Riot.
Es ist kein Zufall, dass die ersten Krisen-Riots, die weder in der ehemals sogenannten „Dritten“ Welt noch in der Peripherie Europas stattfinden, ausgerechnet England treffen. Es ist folgerichtig. Es ist auch kein Zufall, dass diese in London beginnen, wo Armut und Reichtum nochmal besonders krass aufeinander treffen. Es ist ebenfalls nicht zufällig, dass sich der Krisenprotest in Griechenland und Spanien in Generalstreiks ausdrückt und in England als Riot. Die Idee einer kollektiven sozialen Revolte wurde den britischen proles seit dreißig Jahren systematisch ausgeredet.
Which Side are you on?
Darüber ist „ebenso wenig zu moralisieren […] – für oder gegen – als über das Erdbeben in Chios“, wie Karl Marx es in einem Brief an seine Tochter Jenny ausdrückte (MEW 35: 179). In den Diskussionsforen der „sozialen Netzwerke“ und den Blogs laufen hitzige Debatten, ob es sich hier um einen politischen Protest handelt oder einfach nur um Massenkriminalität. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass das eine das andere nicht ausschließt. In Griechenland waren (nicht nur, aber viele) organisierte Anarchist_innen auf der Straße, darum wurde es für die ideologisch orientierte Linke interessant. In London – und mittlerweile auch in zahlreichen anderen Städten – sind es die proles , die rebellieren. Und das hat dann keine Solidarität mehr zur Folge, sondern Angst. Das zeigt, wie degeneriert, verbürgerlicht und wenig klassenbewusst die Linke hierzulande ist. Sie hat keine soziale Basis. Und diese fehlende Basis wird in der unausweichlichen weiteren Krisenentwicklung wahrscheinlich ganz ähnlich reagieren wie in England. Um, wie die Solidarity Federation es sich wünscht, den politisch motivierten, aber nicht als politisch erkannten Protest „in etwas kollektives und basisdemokratisches“ zu verwandeln, muss sich erst die Linke verwandeln.
(bew)
Hintergrundtexte zur Krise und Krisenbekämpfung in England finden sich bei der wildcat hier und hier.
Etwas dichter am Geschehen und geistreich kommentiert sind die Riot-Berichte des Fußball-Fanzines A Fine Lung (Manchester).
Einen tiefen Einblick in die Geschichte der Riots bietet E.P. Thompsons Essays zur moralischen Ökonomie und den Food Riots des 18. Jahrhunderts. Hier gibt es die Texte und weitere Texte zur Geschichte von Riots (auch zu den Poll Tax-Riots in den 1990ern).
]]>Der Text ist dem Buch „Freie Liebe – Wilde Ehe“ von Herrad Schenk entnommen (das sehr interessante Buch ist leider wohl nur noch antiquarisch erhältlich):
Zweihundert Jahre hatte es gedauert, bis im Zuge des Individualisierungsprozesses die neue abendländische Errungenschaft der Liebesehe die alte Sachehe ganz verdrängt hatte.
Kaum hatte die Liebesehe sich durchgesetzt, da sah es so aus, als könnte der Individualisierungsprozeß durch sie hindurch und über sie hinweg weitergehen. 1975 hatte Edward Shorter prophezeit:
„Die Kernfamilie zerfällt – um, wie ich glaube, durch das freischwebende Paar ersetzt zu werden, eine eheliche Dyade, die dramatischen Spannungen und Fusionen ausgesetzt ist.“ Welcher Art diese Spannungen und Fusionen sein könnten, das hat die Diskussion der späten sechziger und der siebziger Jahre gezeigt, in denen es auf einmal nicht mehr vorrangig um die Befreiung der Liebe aus dem Korsett der Institution (z.B. der Ehe) zu gehen schien, sondern um die Lösung der Sexualität vom Gefühl, um die Lösung der Frau vom Mann, um die Lösung des Individuums aus stets als einengend empfundenen Bindungen überhaupt.
Der – männliche oder weibliche – „Single“ wurde als neues Phänomen entdeckt: der für sich allein lebende Mensch, weitgehend autark, der nur Beziehungen auf Distanz unterhält oder eine kurzfristige Liebesbeziehung nach der anderen hat. Konservative Stimmen konstatierten „Bindungsangst“ und „Lösungssucht“ und warnten vor Selbstverwirklichungsegoismus und Hyperindividualismus. Sie malten das Bild einer gespenstischen Zukunft, in der auch die Intimbeziehungen des Menschen von den Gesetzen des Marktes beherrscht sein würden, von einer Tausch- und Konsummentalität, die die jungen und sozial Attraktiven zu bloßen „Wegwerfbeziehungen“ auf Kosten der weniger Attraktiven und in jeder Hinsicht Schwächeren verführen würde – so lange, bis das Spiel auf ihre eigenen Kosten getrieben würde, und dann sei es zu spät.
Gewiß ist eine Tendenz zur Vereinzelung zu beobachten, doch ich glaube nicht, daß sie aus einer hedonistischen Grundhaltung entsteht. Viel häufiger isolieren sich Menschen, weil sie überhöhte Erwartungen an Lebensgemeinschaften haben, weil sie enttäuscht oder verletzt worden sind und sich nicht wieder enttäuschenden und verletzenden Erfahrungen aussetzen wollen, jedenfalls für eine gewisse Zeit. Das Single-Dasein scheint – jedenfalls bei jüngeren Menschen – häufiger ein Übergangsphänomen als ein dauerhafter Lebensstil zu sein, eine kürzere oder längere Phase nach Trennungen, bevor neue dauerhafte Verbindungen eingegangen werden. Das Paar, die dauerhafte Zweierbeziehung, ist noch immer das Lebensideal der meisten Menschen, und dem raschen Partnerwechsel wirken starke Tendenzen entgegen, die im Individuum selbst und in der Natur der Zweierbeziehung liegen.
Was die Zweierbeziehungen dauerhaft macht – und zwar in der Regel so dauerhaft, dass sie nicht einmal den von Wilhelm Reich als zwingend beschriebenen Prozeß der „sexuellen Abstumpfung“ befürchten müssen –, ist jedoch nicht der letzte Überrest institutionellen Beiwerks, der der Ehe noch anhaftet. Derselbe Individualisierungsprozess, der die Ehe als Institution gefährdet, hat auch psychische und soziale Mechanismen hervorgebracht, die sie als auf Dauer Beziehung schützen: In einer länger andauernden Lebensgemeinschaft wird die Partnerin bzw. der Partner zum wichtigsten anderen Menschen überhaupt. „Spezifisch für die moderne Situation ist der Ehepartner kulturell als der signifikanteste andere im Erwachsenenleben definiert wird.
Diese kulturelle Definition stellt natürlich eine der radikalen Innovationen des bürgerlichen Ethos dar.“
Auch in der traditionellen Sachehe war die Frau für den Mann, der Mann für die Frau wichtig, aber es ging dabei in erster Linie um die Arbeit, die nur gemeinsam bewältigt werden konnte. Während in der alten Gesellschaft eine Übereinstimmung der Eheleute in bezug auf ihre Werte und Einstellungen, ihre Rollen in der Ehe als gegeben vorausgesetzt werden konnte, weil sie aus demselben Milieu kamen und ihre Beziehung fest in eine übergreifende Sozialstruktur eingebaut war, müssen Frau und Mann einander heute erst im Prozeß der Beziehung kennenlernen. Indem sie sich gegenseitig ihre Gedanken über sich selbst ihre Sicht der Welt mitteilen, entsteht so etwas wie ein „privates Universum“, das sie und nur sie miteinander teilen. „Aus den grundlegenden Affinitäten und komplementären Unterschieden, aus denen romantische Liebe erwächst, bauen wir uns eine eigene Welt. Mein Selbst und das meines Partners haben sich gefunden: Unser beider Persönlichkeit, unser beider Lebensgefühl, unser beider Bewusstsein beginnen sich zu durchdringen und einen Raum zu schaffen, in dem wir wohnen werden, so lange unsere Beziehung dauert.“
Dieser neu geschaffene Raum, das „gemeinsame Selbst“ des Paares, wird in der Gegenwart um so wichtiger, als unser sonstiges Leben weitgehend von unpersönlichen, formalisierten und fragmentarischen Beziehungen bestimmt ist, in denen nur ein Teil unserer Person mit anderen Menschen bzw. Teilen dieser Menschen in Kontakt tritt.
In eine Liebesbeziehung bringen wir unsere ganze, ungeteilte Person ein, und wir bekommen von unserem Partner oder der Partnerin ein ganzheitliches Bild von uns zurückgespiegelt. Die Zweierbeziehung – falls sie glücklich ist – ist also nicht nur der Ort, wo ein Mensch Geborgenheit, Bestätigung, sexuelle Befriedigung, Zärtlichkeit erfährt, sondern auch der Ort, wo er eher als anderswo ganz er selbst sein kann, und zu diesem Bild des eigenen Selbst trägt die Partnerin bzw. der Partner entscheidend bei. „Was man als Liebe sucht, was man in Intimbeziehungen sucht“, sagt Niklas Luhmann, „wird somit in erster Linie dies sein: Validisierung (Übereinstimmung, d.Tipper) der Selbstdarstellung.“ Sich verstanden fühlen, einer der höchsten Werte in Partnerschaften heute, bedeutet ja nichts anderes, als in der Selbstwahrnehmung bestätigt und so angenommen zu werden, wie man ist.
Wenn man sich neu verliebt, wird, so lange dies Gefühl besteht, eine dritte Person zum „signifikanten Anderen“. Das Bild, das sie uns von der eigenen Person zurückwirft, fügt dem schon vertrauten, das sich im Laufe einer längerdauernden Lebensgemeinschaft gebildet hat, vielleicht neue aufregende Facetten hinzu, lang vergessene Möglichkeiten, verschüttete Fähigkeiten. Wahrscheinlich ist es viel öfter die Sehnsucht nach einem solchen Erlebnis der vorübergehenden Identitätserweiterung und Steigerung des Lebensgefühls, die Männer und Frauen zum „Fremdgehen“ veranlaßt, als das Bedürfnis nach sexueller Abwechslung.
Ein zentraler Grund, der die Mehrzahl der Menschen daran hindert, ständig neue Liebesbeziehungen einzugehen, ist ihr Bedürfnis nach einer stabilen Identität. Wenn ich mich um einer neuen Liebesbeziehung willen aus einer alten Lebensgemeinschaft löse, gewinne ich nicht nur dazu, sondern ich verliere mit der alten Beziehung auch Teile meines Selbst, Teile meiner Geschichte, die mit der Person des alten Partners verwoben sind und mir mit ihm verloren gehen. Je unsicherer die Welt um uns her, je instabiler unsere sonstigen Sozialbeziehungen, desto stärker sind wir auf eine beständige Beziehung, eine verläßliche Partnerschaft angewiesen. Die meisten Menschen werden sich deshalb erst dann aus einer Lebensgemeinschaft lösen, wenn ihnen aufgrund einer schon lange gestörten Kommunikation ein verzerrtes und erstarrtes Bild ihrer selbst zurückgespiegelt wird.
„Treue bedeutet so letztlich auch Treue zu sich selbst und seiner Geschichte, als einem in sich zusammenhängenden, sinnvollen Prozess, dessen Zukunft immer aus der Vergangenheit hervorgeht“; meint der Paartherapeut Jürg Willi.
In seinem Buch „Koevolution. Die Kunst gemeinsamen Wachsens“ hat er das Modell einer „bezogenen Selbstverwirklichung“ entwickelt, die nicht in kurzfristigen, vielleicht intensiven Begegnungen, sondern nur im Laufe eines längeren Zusammenlebens, eines andauernden Kommunikationsprozesses erreicht werden kann: „Jeder muß in eigener Verantwortung zur Entfaltung des dyadischen (Dyade=Paarverhältnis) Selbst beitragen. Gemeinsames Wachstum heißt ein dauerndes Ringen miteinander, heißt dauernde gegenseitige Herausforderung und gegenseitigen Widerstand. Gemeinsames Wachstum ist alles andere, als sich für den Partner oder die Partnerschaft aufzugeben, zu fusionieren oder sich aufzuopfern. Yin und Yang verschmelzen nicht miteinander, sie lassen sich gegenseitig entstehen (thats Dialektik, d.T.). Jürg Willi sieht die Zweierbeziehung und die Familie als kleine soziale Systeme, die sich aus sich selbst heraus steuern und regulieren, die imstande sind, sich selbst ihre Normen zu setzen und sich selbst zu erneuern und die erst dann zerbrechen, wenn die Kommunikation total gestört und die Belastung zu groß geworden ist.
Dieses Konzept der auf Liebe gegründeten Lebensgemeinschaft ist historisch neu; es hat mit dem alten Begriff der romantischen Liebe nicht mehr viel zu tun. Allerdings paßt es auch nicht zur Idee der Ehe als Institution, denn es geht nicht von allgemeinverbindlichen, der individuellen Willkür entzogenen Strukturen, Normen und Werten aus, sondern – ganz im Gegenteil – von der Beziehung als einem Prozess, aus dem heraus die jeweils eigenen Strukturen, Normen und Werte entstehen. „Lieben als Lernprozess“: wenn das Ehepaar der alten Gesellschaft über die gemeinsame materielle Existenzgrundlage untrennbar miteinander verbunden war, so muß sich das heutige Paar seine gemeinsame immaterielle Basis selbst schaffen und kann dann seine Lebensaufgabe analog definieren – als Beitrag zum Wachstum des gemeinsamen Selbst.
Manche haben vielleicht noch einen Chef – lebendig, jung, dynamisch. Ein Arschloch in jedem Fall. Oder einfach ein Vorgesetzter. Jung, dynamisch. Ein Arschloch. Ein Alphatier. Aber mit Führungsqualität. Wo ist der Führer eigentlich, der darüber befindet, dass einer mit 50 zu alt für seinen Job ist? Solche Angst. Sie lassen sich ausbeuten und würden es doch nie so nennen. Ich arbeite gerne, würden sie sagen, was auch sonst. Es können ja nicht alle selbständig sein, Künstler oder Penner, einer muss ja arbeiten. Für wen eigentlich? Für Vorstandsvorsitzende, für Manager mit Millionensalären. Ein paar Milliarden Bonus für die Mitarbeiter einer Bank, die ein paar Milliarden Minus erwirtschaftet hat.
Früher nannte man das Klassenkampf. Die da oben die da unten. Heute nennt man es einfach Angestelltenverhältnis, und keiner wundert sich. Den ganzen Tag verkaufen, eine Stunde Mittagspause, aber nur nicht überziehen, nicht aus der Masse ragen, nicht auffallen, sich ducken. Nach Dienstschluss in eine Bar. Den Stress wegsaufen. Auf die Idee, zu demonstrieren, kommt keiner. Wir haben ja Freizeit. Am Wochenende. Da sind wir zu müde. Oder machen Sport, um unsere Arbeitskraft zu erhalten. Oder grillen Würste. Und sind danach müde. Und einmal im Jahr gibt es Urlaub. Hurra.
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