Barrikade-Moers http://www.barrikade-moers.de Endstation Sehnsucht Sun, 05 May 2019 08:10:28 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Am Freitag, den 3.5. nahmen wir Abschied http://www.barrikade-moers.de/2019/05/04/am-freitag-den-3-5-nahmen-wir-abschied/ http://www.barrikade-moers.de/2019/05/04/am-freitag-den-3-5-nahmen-wir-abschied/#comments Sat, 04 May 2019 13:27:43 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/05/04/am-freitag-den-3-5-nahmen-wir-abschied/

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/05/04/am-freitag-den-3-5-nahmen-wir-abschied/feed/
Revolutionäre Kämpfe in Moers-Meerbeck http://www.barrikade-moers.de/2019/04/27/revolutionaere-kaempfe-in-moers-meerbeck/ http://www.barrikade-moers.de/2019/04/27/revolutionaere-kaempfe-in-moers-meerbeck/#comments Sat, 27 Apr 2019 08:11:11 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/04/27/revolutionaere-kaempfe-in-moers-meerbeck/ Als ich vor über 30 Jahren in meine Wohnung zog, konnte ich noch die alte Betonschachtanlage der Zeche Rheinpreussen sehen, sie wurde gerade stillgelegt und der fette Turm Stück für Stück abgeknabbert / demontiert. Von einem Kumpel aus Hamburg bekam ich den hier vorliegenden Text zugeschickt und nach lesen des Textes einen etwas anderen Blick auf die Geschichte Meerbecks. Dafür Danke.

Zum 1. Mai 2019 also eine kleine Geschichte zur kämpfenden Arbeiterbewegung in Moers-Meerbeck und dem linken Niederrhein. Das es hier in dieser Schlafmützen-Gegend mal kräftig rumort hat und Arbeiterinnen für ihre Ziele sehr konsequent „nach vorn“ gegangen sind, hatte ich nicht auf dem Schirm und wird meines Wissens auch nirgends in Moers dokumentiert.

Eigentlich auch völlig normal, ist doch die offizielle Geschichte immer die Geschichte der „Herrschenden“ und ihrer Steigbügelhalter. Eine heroische Funktion diesbezüglich hatte schon immer die Sozialdemokratie und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften. Ihre Haltung war immer durch Opportunismus und Arschkriecherei gekennzeichnet. Das wissen wir nicht erst seit Sebastian Haffners scharfsinnigem Buch „Von Bismarck zu Hitler“. So zeigt sich auch hier – anhand von Meerbecks kleiner Vergangenheit – wie reaktionär und peinlich die Rolle der Sozis oft war. Contras in Reinkultur.
„Die SPD wird niemals auf die Barrikaden gehen, und übrigens wären diese verfetteten älteren Herrschaften dort auch zu gar nichts nutz. Ihr Kampfplatz, wo sie zu etwas nutz hätten sein können, war das Parlament, und dort haben sie, wie immer, den Pass verkauft.“ (Haffner)

Alte Zeche Moers-Meerbeck

Das Beispiel Moers / Märzaktion 1921

In Moers und Umgebung hatte die VKPD (Zusammenschluß von der USPD und der KPD) nach der Vereinigung mit der linken USPD einen relativ großen Einfluß, in der Stadt Moers selbst war sie die stärkste Arbeiterpartei, deren Anhänger und Mitglieder zum größten Teil von den Unabhängigen gekommen waren.

Reichstagswahl 1920 Kreis Moers: 11.289 (SPD) 11.518 (USPD) 308 (KPD)
Stadt Moers: 2.200 (SPD) 2.350 (USPD) 7 (KPD)

Preußenwahl 1921 Kreis Moers: 10.313 (SPD) 1.401 (USPD) 6.768 (VKPD)
Stadt Moers: 1.600 (SPD) 450 (USPD) 1750 (VKPD)

Zudem hatte die FAU/Ge in der Bergarbeiterschaft einen relativ großen Einfluß: In Moers hatte sie 2.000, in Homberg 450, in Hochemmerich 2.400 und in Friemersheim 700 Mitglieder. In den größeren Zechen – Diergardt und Rheinpreußen – gab es eine schon traditionelle und breite Bewegung gegen die Überschichten, vor allem von der FAU/Ge getragen; die Forderung nach der 6-Stunden-Schicht war bereits 1920 weit verbreitet.
Im Februar 1921 kam es zu ersten Aktionen gegen die Überschichten, als die FAU und kommunistischen Betriebsräte aufforderten, das Verfahren von Überschichten einzustellen.
Gegen den Willen des BAV, dessen Vertreter Jungmann gegen einen Abbau von Überstunden eintrat, da dadurch Lohnverluste entstünden, beschloß eine Belegschaftsversammlung der Zeche Diergardt, Überstunden zu verweigern. Vorübergehend wurde auf Diergardt und vier weiteren Schächten so gehandelt. Aufgrund des Widerstands des BAV begann sich im Februar ein Bruch zwischen dem Verband und großen Teilen der Belegschaften anzukündigen, der noch dadurch vertieft wurde, daß die für die Streikaktion verantwortlichen Betriebsräte mit Zustimmung der im BAV organisierten Betriebsräte gemaßregelt und entlassen wurden.
Daraufhin bildete sich Anfang März ein Delegiertenausschuß aller Zechen, um gegen diese Kündigungen vorzugehen.
Nach dem Streikaufruf der KPD-Zentrale und des Essener Aktionsausschusses begann auch die VKPD in Moers und Umgebung die als besonders „radikal“ auch in Parteikreisen galt und der rheinisch-westfälischen Linken um König (später Mitglied der Fischer-Maslow-Fraktion) zugerechnet wurde, Vorbereitungen für einen Aufstand zu treffen. Am 26.3. fanden geheime Funktionärsversammlungen statt, in denen Aktionskomitees gebildet wurden und beschlossen wurde, am 29. in den Generalstreik zu treten, die Betriebe zu besetzen und für die Errichtung der Räterepublik zu kämpfen. Am 27.3. trat eine Schachtdelegiertenkonferenz des Kreises Moers zusammen, auf der 100 Delegierte der Zechen Diergardt, Mevissen, Rheinpreußen und des Rheinhausener Kruppwerkes – vor allem Mitglieder der FAU, der KPD und des DMV – den Beschluß billigten, am Dienstag nach Ostern die Arbeit niederzulegen. Flugblätter mit den Forderungen 6-Stunden-Schicht und 30% mehr Lohn gelangten zur Verteilung.
Auch auf den Streikversammlungen des 29. März und in der Propaganda der FAU und der KPD standen die wirtschaftlichen Forderungen im Mittelpunkt, angehängt wurden wie überall in Rheinland-Westfalen die Parolen: Unterstützung Mitteldeutschlands und des rechtsrheinischen Bergarbeiterstreiks sowie die Forderungen des Bielefelder Abkommens vom März 1920.
Für diese wirtschaftlichen Forderungen legten am 29.3. zahlreiche Bergleute auf den großen Zechen des Moerser Gebiets die Arbeit nieder: auf den Schächten IV und V der Zeche Rheinpreußen eine relative Mehrheit der Belegschaften, auf I und II kleinere Gruppen; ebenso gab es Streiks auf Diergardt und Friedrich-Heinrich/Lintford (gemeint ist das heutige Kamp-Lintfort, d.T.).
Eine Belegschaftsversammlung des Kruppwerkes Rheinhausen beschloß ebenfalls den Streik. In den folgenden Tagen eskalierte die Bewegung, es kam zu Prügeleien zwischen Streikgegnern und Streikenden; der Sekretär des BAV Zimmer wurde auf einer Streikversammlung schwer mißhandelt (die sog. ››Zimmer-Affäre«); eine »Rheinische Republik« wurde proklamiert, und Arbeiter drohten mit der Sprengung einzelner Schächte – aus der Streikbewegung des 29. März war eine Aufstandsbewegung geworden. In offiziellen amtlichen Darstellungen, die Streiks oder Unruhen während der Märzaktion praktisch überall ausschließlich als „erzwungen“ darstellen, wird der Eindruck vermittelt, als sei diese Eskalation entweder unvermittelt oder nur durch den „Terror“ kommunistischer Gruppen bzw. Minderheiten eingetreten. Die Vorgänge in Moers spielten sich nach der offiziellen Lesart wie folgt ab:

„Nach dem Generalstreikbeschluß der Kommunisten wurde am 29.3. auf einigen Schächten »die Arbeitseinstellung erzwungen. . . Am 30.3. wurden die Arbeitswilligen zur Arbeitseinstellung gezwungen, mehrere Zechenbeamte tätlich angegriffen. Bewaffnete kommunistische Trupps zogen durchs Land, legten die Straßenbahnen und Betriebe still, terrorisierten die arbeitswilligen Bergarbeiter, bis die belgischen Besatzungstruppen eingriffen und die Zechenanlagen ››säuberten«. Ein Gewerkschaftsangestellter und Bergarbeiter wurden »von den Kommunisten mißhandelt«, ein ››Versuch der Kommunisten, den Schacht 5 der Zeche Rheinpreußen in die Luft zu sprengen, ist infolge des Eingreifens der belgischen Besatzung mißlungen“.

Damit waren die wirklichen Ereignisse auf den Kopf gestellt. Am 29.3. wurde entweder auf Belegschaftsversammlungen oder auf großen öffentlichen Streikversammlungen der Beschluß der Delegiertenkonferenz vom 27. bestätigt; ein nicht unerheblicher Teil der Bergarbeiter hatte aufgrund der vorher bekannten Streikbeschlüsse die Arbeit nicht aufgenommen oder legte im Laufe des 29. die Arbeit nieder, als große Demonstrationen vor einzelnen Schächten die Ausfahrt der noch unter Tage arbeitenden Kumpel verlangten. Während auf den Schächten I und II Rheinpreußen noch ein großer Teil der Belegschaft wie gewöhnlich einfuhr, war es auf Schacht IV weniger als die Hälfte. Angesichts der großen Zahl von Streikenden und Demonstranten, die sich vormittags auf den Zechen einfanden, nahmen auch die schon erheblich weniger gewordenen Arbeitswilligen der Mittagsschicht die Arbeit nicht mehr auf.
Auf Schacht V Rheinpreußen konnte sich die arbeitswillige Minderheit (370 von 1.150 Bergarbeitern) nur handgreiflich, durch das ››tatkräftige Eingreifen einiger Führer« und mit Hilfe der Polizei einen Zufahrtsweg zum Zechengelände gegen eine Übermacht von 1.000-1.200 Streikenden, die die Tore besetzt hielten, freikämpfen. Nicht besser erging es den Arbeitswilligen der Mittagsschicht – inzwischen nur noch 270 –, die am Nachmittag von einer Demonstration von empörten Streikenden, die sich im Anschluß an eine Versammlung in Meerbeck mit 5-6.000 Teilnehmern gebildet hatte, zur Ausfahrt gezwungen wurden.
Sowohl bei dem Versuch, die Streikposten zu verdrängen, als auch bei der Ausfahrt der Streikgegner gab es Handgreiflichkeiten zwischen Arbeitern.“ Die Herausstellung des ,erzwungenen‘ Charakters der Streiks in der amtlichen Darstellung traf also nur für einen Teil der Zechen und der Belegschaften zu. Es war im Kreis Moers nicht nur eine „kleine Minderheit“, die die Streikparole aufgriff- in späteren amtlichen Berichten wurde auch von einer ››gewaltige(n) Übermacht der Aufständischen« gesprochen.“ Da es jedoch auf fast allen Schächten Gruppen von Streikgegnern gab, zeichneten sich schon am 29. März weitere Konflikte ab: Die Streikenden waren empört über das unsolidarische Verhalten und den Streikbruch von Kollegen, so daß sie auch deren Arbeitseinstellung durchzusetzen suchten; konfrontiert mit aktivem Widerstand und polizeilicher Unterstützung der Streikgegner nahm die Erregung bereits am 29. stark zu. Umgekehrt gab es einen harten Kern von Arbeitswilligen, die sich keinem Streikbeschluß unterordnen wollten.
Auch auf der Zeche Diergardt legte ein Teil der Belegschaft die Arbeit nieder, wählte einen Aktionsausschuß und stellte Streikposten auf. Arbeitswillige wiederum versuchten mit Unterstützung der SPD und des BAV Streikposten zu vertreiben und die Einfahrt durchzusetzen. Nachdem der Ausstand auch auf der Zeche Friedrich-Heinrich in Lintford gegen den Willen der Gewerkschaften – mit Ausnahme der Unionen – verkündet worden war, bildeten vier Gewerkschaftsverbände (Hirsch-Dunckersche, christliche, Polnische Berufsvereinigung und BAV) einen Ausschuß, der bei der Geschäftsleitung vorstellig wurde, um diese in Kenntnis zu setzen, daß der Streik gewerkschaftlich nicht sanktioniert sei und die Verbände am folgenden Tag (30.3.) die Arbeitsaufnahme erzwingen wollten. Der Ausschuß trug zudem die Beschwerde vor, daß Polizei und Zechenwache den Arbeitswilligen nicht ausreichend Schutz böten.
Die Behörden hatten schon Ostermontag Präventivmaßnahmen erwogen, denen jedoch durch die Schwäche der örtlichen Polizei – der nur 21 Landjäger zusätzlich zur Verfügung standen – und durch die Besatzungsmacht Grenzen gesetzt waren. Zwar beschlossen der Landrat des Kreises Moers, Polizeivertreter und der Bürgermeister der Stadt Moers am 29., die vorhandenen Kräfte zum Schutz der Arbeitswilligen und der Werksanlagen rückhaltslos einzusetzen, aber der Versuch, bei der Interalliierten Kommission in Koblenz die Erlaubnis zum Einsatz mehrerer Hundertschaften Duisburger Sicherheitspolizei zu erwirken, scheiterte am Widerstand der belgischen Besatzungsbehörden. Am 29. forderten die Zechenverwaltungen Polizeischutz an, eine Abordnung der »arbeitswilligen Arbeiterschaft« – wahrscheinlich unter Leitung des BAV-Funktionärs Zimmer – wurde beim Landrat vorstellig und legte ihm eine Entschließung mit der Bitte vor, zum Schutz der Werke die belgische Besatzung anzurufen.
Auch im offiziellen Bericht des Bürgermeisters von Moers vom 6.4.1921 wurde herausgestrichen, daß die Kommunisten ››nicht mit Unrecht angenommen (hatten), daß es besonders Zimmer war, der von Arbeiterseite dem letzten Putsch sich entgegenstellte«.
Während in der Presse noch keine größeren Auseinandersetzungen oder Streikübergriffe berichtet wurden, begannen die Gewerkschaften, allen voran der Sekretär des BAV, eine aktive Gegenwehr zu organisieren, um unter allen Umständen die Einfahrt auch nur kleinerer Gruppen von Arbeitswílligen zu erzwingen. Die überall in Rheinland-Westfalen veröffentlichten Gegenaufrufe von Gewerkschaften und Sozialdemokratie, die zur Selbsthilfe gegen den kommunistischen Aufstand aufforderten, wurden im Kreis Moers in die Tat umgesetzt – allerdings konnte sich diese Selbsthilfe hier nicht auf eine breite Mehrheitsstimmung in der Arbeiterschaft stützen, vielmehr waren es in Moers SPD und BAV, die mit Unterstützung eines Teils ihrer Anhängerschaft eine Minderheitsaktion gegen einen Streik organisierten. Damit wird an der Märzaktion wiederum deutlich, wie tief der Graben in der deutschen Arbeiterbewegung zwischen ihren einzelnen Organisationen schon in der Frühphase der Weimarer Republik war.
Parallel zu den Vorbereitungen der SPD und Gewerkschaften wurden die Polizeikräfte angewiesen, alle Beamten bereitzuhalten, da bekannt war, »daß seitens der Arbeitswilligen vorgesehen war, zur Frühschicht mit Hilfe der Polizei gewaltsam Zugang zur Arbeitsstätte zu verschaffen«.
Am frühen Morgen des 30. März erschienen Gruppen von Streikgegnern vor den Eingängen der Zeche Diergardt, vertrieben die Streikposten und besetzten ihrerseits die Zeche. Jungmann, Mitglied der SPD und des Bergarbeiterverbands, der die Aktion leitete, benachrichtigte – nach eigenen Aussagen – nach der Überrumpelung der Streikposten die Direktion der Zeche, die ,alles Weitere veranlaßte“. Was dieses ,Weítere‘ war, geht aus dem sofort vom Landrat an die belgische Besatzung abgeschickten Telegramm hervor, mit dem er einen Einsatz cler belgischen Streitkräfte – u.a. mit dem Hinweis: Arbeitswillige haben auf Diergardt Streikposten vertrieben – anforderte, eine Anforderung, die am 29.3. erfolglos gewesen war.

Derweil richteten sich Streikbrecher und Polizei auf eine Verteidigung der Zeche ein; als um 8 Uhr einige Streikende erschienen, wurden sie in die Flucht geschlagen. Auf die Nachricht von diesen Geschehnissen entschied sich eine öffentliche Streikversammlung, geschlossen zur Zeche zu ziehen. Als die nach Tausenden zählenden Demonstranten dort ankamen, wurden die unbewaffneten Arbeiter von mit Knüppeln und Gummiknüppeln bewehrten Besetzern empfangen. Und als die ohnehin erregten Bergleute noch mittels eines Wasserwerfers daran gehindert werden sollten, auf den Zechenplatz vorzudringen, wuchs die Empörung derart, daß sie durch die Tore drängten, über die Zäune kletterten und schnell den Platz überfluteten. Jungmann, der als Verantwortlicher für den Streikbruch galt, wurde von der Menge verprügelt. “ Die Anhänger des Alten Verbandes griffen zur Selbsthilfe und prügelten zunächst die Kommunisten hinaus“ und wichen erst der Übermacht der Streikenden, kommentierte die ››Rhein- und Ruhr-Zeitung« in ihrer Abendausgabe am 30.3.
Nunmehr hielten die Streikenden auch Diergardt besetzt. Auf den Schächten I und II Rheinpreußen wurden die eingefahrenen Bergarbeiter noch am 30.3. von einer nach Tausenden zählenden Demonstration zur Ausfahrt gezwungen. Sie mußten einen »Eid« ablegen, von nun an den Streik mitzutragen. Auch hier intervenierten Gewerkschaften und Betriebsleitung beim Landrat und dieser wiederum bei den belgischen Behörden zum Schutz der Arbeitswilligen. Tatsächlich erschienen daraufhin Vertreter des belgischen Militärs auf allen Schächten, um selbständig die Lage zu erkunden und Namen von Streikführern zu notieren. Da am 30. auch die Straßenbahner streikten, verhängte die Besatzungsmacht den Ausnahmezustand über den Kreis Moers. Nun mehr rechneten die Streikenden mit einem Einsatz belgischer Truppen und richteten sich auf eine Verteidigung der Schächte ein, die am Abend des 30. fast alle besetzt waren. Für den Fall erneuter Eingriffe der Polizei, des Militärs oder Arbeitswilliger wollten die Besetzer durch Zechensirenen die Bewohner der anliegenden Ortschaften zur Hilfe herbeirufen. Da es bereits erste Verhaftungsversuche gegeben hatte und wegen der Bestrebungen von SPD und Gewerkschaften, unter Polizeischutz die Einfahrt von Streikbrechern zu erzwingen, war im gesamten Kreis eine explosive Stimmung entstanden. Bei den Streikenden und der KPD wurde – nicht zu unrecht – vermutet, daß diese Versuche, Streikgegnern die Arbeitsaufnahme zu ermöglichen, von den Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Behörden organisiert wurden, um einen Vorwand für das Eingreifen des belgischen Militärs zu schaffen.“
In Moers – wie in Hamburg und anderswo – ist die letztliche Konfrontation in der Märzaktion nicht allein auf die Offensivpolitik der VKPD zurückzuführen Sicherlich gab diese den Anstoß für die Auseinandersetzungen – immerhin war es erklärtes Ziel von Kräften in der Parteizentrale, durch Streiks irn Rheinland den Konflikt zwischen der Reichsregierung und der Entente zu zuspitzen –, aber nur im Zusammenwirken mit den Reaktionen der anderen gesellschaftlichen Kräfte wurde die Eskalation unvermeidlich. Da die Streiks der Moerser Bergleute isoliert keine Perspektive gehabt hätten, vielmehr bei einer Zurückhaltung der staatlichen und Besatzungsbehörden genauso in sich zusammengebrochen wären wie anderenorts« in Rheinland-Westfalen, trugen diese und die Gewerkschaften mit ihren Bemühungen um einen Einsatz belgischer Truppen genauso ihren Teil dazu bei, daß sich die Konfrontation in den nächsten Tagen in so scharfen Formen zutrug.
Die nichtkommunistischen Arbeiterorganisationen wollten sich auch am 30.3. nicht mit dem ,wilden‘ Streik abfinden. Trotz der gescheiterten Versuche und der nur geringen Beteiligung von Arbeitswilligen an den Aktionen des Vortags sollte am 31. März erneut versucht werden, die Arbeit aufzunehmen. BAV-Sekretär Zimmer organisierte eine Versammlung von 600 Streikgegnern und forderte sie auf, am folgenden Tag zur Einfahrt zu erscheinen, da nun der Schutz der Belgier gesichert sei. Auch die Behörden ließen nicht locker, die Interalliierte Kommission in Koblenz und
die belgische Besatzungsmacht zu drängen, die Streikbewegung niederzuschlagen, und die Genehmigung für eine ,deutsche‘ Regelung des Konflikts mit Hilfe starker Schupo-Kräfte zu erhalten. Zusätzlich wurde eine ››Bürgerwehr« ins Leben gerufen.

Am 31.3. waren die Streikzahlen im Moerser Gebiet stark gestiegen: Neben den Zechen, die mittlerweile alle von Streikenden besetzt gehalten wurden, befanden sich die Straßenbahner, mehrere Metallbetriebe in Homberg, unter anderem auch Kruppwerke, im Ausstand. In Rheinhausen war der Kruppbetrieb besetzt worden.
Am Morgen des 31. versuchten Arbeitswillige, die von der Krupp-Verwaltung zum Teil von außerhalb auf Lastwagen herangebracht worden waren, das besetzte Werk zu stürmen. Es kam zu Prügeleien mit den Besetzern, bis belgische Gendarmen eingriffen und Streikposten verhafteten.

Auf allen Zechen erschienen belgische Gendarmen und Soldaten, die zahlreiche Verhaftungen vornahmen und die Schächte freimachten. Auf Diergardt wurde der Aktionsausschuß festgenommen: Daraufhin besetzten Streikbrecher die Zeche erneut, aber es fuhren nur 200 Kumpel wirklich ein. Auf der Zeche Friedrich-Heinrich in Lintford verhafteten belgische Soldaten wahllos ungefähr 250 Arbeiter und Mitglieder der Streikleitung. Die Schächte IV und V Rheinpreußen wurden ebenfalls ,gesäubert‘, die Streikposten verhaftet und auf Lastwagen abtransportiert; anschließend besetzten Mitglieder der ››Bürgerwehr« den Zechenplatz. Auf den Schächten I und II Rheinpreußen wurden etwa 100 Streikende festgenommen.
Aufgrund dieser Vorgänge bemächtigte sich eine ungeheure Erregung der Arbeiter. Überall fanden öffentliche Versammlungen statt und die empörte Menge schritt sofort nach dem Abzug der Belgier zur erneuten Besetzung der Zechen. In Lintford drohten nunmehr die Besetzer von Friedrich-Heinrich die Einstellung der Notstandsarbeiten an, falls die Verhafteten nicht umgehend auf freien Fuß gesetzt würden und sich die Behörden nicht verpflichteten, nicht mehr mit Waffengewalt gegen die Streikenden vorzugehen.
Die Schächte IV und V Rheinpreußen wurden ebenfalls neuerlich besetzt, so daß am frühen Nachmittag erneut belgische Soldaten erschienen, die nunmehr 400 Arbeiter verhafteten und die mehrere Tausende zählenden Demonstranten vertrieben. Diese hielten eine öffentliche Versammlung ab, auf der das Gerücht auftauchte, daß Peter Zimmer, der Bezirkssekretär des BAV, nicht nur für den Militäreinsatz, sondern auch für die Massenverhaftungen verantwortlich sei. Vorher schon war bekannt geworden, daß Zimmer zu den Organisatoren der Aktionen der Arbeitswilligen gehörte und bei den Behörden wegen eines Polizei- und Militäreinsatzes vorstellig geworden war. Die angestaute Empörung der Demonstranten konzentrierte sich nunmehr auf Zimmer, der bei den Linken ohnehin wegen seines Widerstands gegen den Abbau der Überschichten verhaßt war, dem nachgesagt wurde, daß er den Belgiern eine Liste mit Namen von Streikenden auf Rheinpreußen habe zukommen lassen.

Auf diese Mitteilung hin zogen zwischen 1.000 und 4.000 Demonstranten zur Wohnung des Gewerkschaftssekretärs – ohne damit ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Verantwortlich für diesen Entschluß war die allgemeine Erregung und aufgespeicherte Wut, die gegen die schwerbewaffneten belgischen Truppen nichts hatte ausrichten können, aber jetzt ein Ventil gefunden hatte in der Entscheidung zu dem BAV-Sekretär zu ziehen. Als die Menge vor Zimmers Wohnung ankam, war die Stimmung so explosiv, daß zwei kleine Ereignisse ausreichten, eine regelrechte Pogromstimmung auszulösen.
Zunächst kamen gerade in dem Moment, als sich die Demonstranten vor dem Haus versammelten, die belgischen Lastwagen mit den verhafteten Bergarbeitern vorbei. Daraufhin richtete sich die kollektive Wut gegen die belgischen Truppen, der Versuch, die Verhafteten zu befreien, scheiterte jedoch.
Die Stimmung, zur Siedehitze angestiegen, wandte sich nun gegen Zimmer, nachdem dieser auch noch mit Hinweis auf den Gefangenentransport ausgerufen haben soll: ,So wird es euch allen ergehen!‘ Die Menge versuchte zu seiner Wohnung vorzudringen, die von zwei Landjägern und einigen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern verteidigt wurde. Als die beiden Landjäger ihre Säbel zogen, kochte die Erregung endgültig Mit dem Ruf: ››Was, ihr wollt Waffen gegen Arbeiter richten« stürmten die Demonstranten das Treppenhaus und drangen in Zimmers Wohnung ein; Steine flogen gegen die Fensterscheiben, die ,Verteidiger und Zimmer selbst wurden schwer mißhandelt.
Nach dem Abzug der belgischen Soldaten und der erneuten Besetzung der Schachtanlagen ging der Kampf der Bergarbeiter jetzt vorrangig um die Befreiung der Gefangenen. In Lintford und auf Schacht V Rheinpreußen drohten die Besetzer mit der Einstellung der Notstandsarbeiten, falls die Verhafteten nicht wieder freikämen, und im Falle erneuten Militäreinsatzes sogar mit der Sprengung einzelner Schächte.
Die Zechen würden bis zur Freilassung der Verhafteten besetzt gehalten.
In dieser Situation oktroyierte der KPD-Apparat der Bergarbeiterbewegung ein aus taktischen Erwägungen‘ formuliertes ,fremdes‘ Ziel: Eine Rheinische Republik wurde proklamiert, als deren Führer Smeets und Gabriel fungierten. Hintergrund dieser Maßnahme war das Kalkül der Zentrale, den Konflikt zwischen Reichsregierung und Entente zu verschärfen – so jedenfalls hatte Frölich schon am 17. Marz vor dem Zentralausschuß die Notwendigkeit von Parteiaktionen im Rheinland begründet. Am 31.3. riefen Smeets und Gabriel die Interalliierte Kommission im Namen von 50.000 Arbeitern des Moerser Gebiets an, die Rheinische Republik in ihrem Kampf »gegen die preußische Reaktion und den versteckten Militarismus« zu unterstützen. »Wir bitten um Freilassung der durch den Streik Inhaftierten und sind bereit, in diesem Falle die Arbeit in vollem Umfange wieder aufzunehmen.« Auf der anderen Seite telegraphierte der Regierungspräsident an die Reichsregierung die belgischen Truppen seien nicht in der Lage, die Ordnung wiederherzustellen, so daß ein Einsatz der Schutzpolizei notwendig werde. Er erbitte bei der Rheinlandkommission die Erlaubnis dafür; falls diese Genehmigung abgelehnt werde, möge die Regierung die Ermächtigung für ein selbständiges Eingreifen erteilen.“
Dies wurde jedoch überflüssig, da die belgische Besatzungsmacht der Rheinischen Republik ihre Unterstützung versagte und am 1. und 2. April mit massiven Militärkräften im Kreis Moers die Streikbewegııng endgültig zerschlug. Während die ››ruhige« Bevölkerung in Plakaten aufgefordert wurde, den Zechen fernzubleiben, da ››militärische Maßnahmen von äußerster Strenge« ergriffen werden müßten, nahm das belgische Militär auf den Zechen Hunderte von Arbeitern fest und besetzte die Werksanlagen.
Auf Schacht V Rheinpreußen versuchten noch vor dem Eintreffen der Truppen am 1.4. Arbeitswillige die Besetzer zu vertreiben. Noch einmal fanden Schlägereien zwischen Arbeitern statt, bevor belgische Soldaten 80 Besetzer festnahmen. Auf das Ertönen der Zechensirene strömte eine große Menschenmenge zusammen, um die Gefangenen zu befreien. Das Militär griff zu den Waffen: zwei Tote und mehrere Verwundete blieben zurück.
Obwohl der Streik damit zerschlagen war, wurde im Moerser Gebiet der verschärfte Belagerungszustand verhängt: Radfahren, Versammlungen, Alkoholausschank, Waffentragen, Betreten der Straßen zwischen 20 und 6 Uhr waren verboten. Bis zum 6. April wurden 900 Arbeiter vor belgischen Schnellgerichten abgeurteilt – ein Tatbestand, den die sozialdemokratische Düsseldorfer »Freie Presse« als »Marneschlacht der VKPD bezeichnete – am 7.4. waren es schon mehr als 1.000.
Anfangs zeigten sich nur wenige Arbeitswillige wieder in den Betrieben, erst am 6.4. wurde die Arbeit wieder voll aııfgenommen. Für die KPD wirkte die Märzaktion im Kreis Moers katastrophal: Viele Mitglieder waren verhaftet, andere traten aus Protest gegen die Offensivpolitik aus; die gesamte Stadtverordnetenfraktion der Partei – ehemalige Mitglieder der linken USPD – verließ im Juni die KPD und kehrte zu den Unabhängigen zurück. Noch im Dezember 1921 lag die Parteiarbeit der Kommunisten im Kreis Moers am Boden.

Auszug aus dem Buch: „Aufstand der Avantgarde“ von Sigrid Koch-Baumgarten (Das Buch ist leider nur noch für „teuer Geld“ antiquarisch erhältlich)

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/04/27/revolutionaere-kaempfe-in-moers-meerbeck/feed/
Möge dir die Erde leicht sein Fritz http://www.barrikade-moers.de/2019/04/20/322/ http://www.barrikade-moers.de/2019/04/20/322/#comments Sat, 20 Apr 2019 08:05:07 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/04/20/322/

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/04/20/322/feed/
Neu! Die Goldenen Zitronen 2019….mal wieder ganz am Puls der Zeit http://www.barrikade-moers.de/2019/04/13/neu-die-goldenen-ziotronen-mal-wieder-ganz-am-puls-der-zeit/ http://www.barrikade-moers.de/2019/04/13/neu-die-goldenen-ziotronen-mal-wieder-ganz-am-puls-der-zeit/#comments Sat, 13 Apr 2019 16:52:30 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/04/13/neu-die-goldenen-ziotronen-mal-wieder-ganz-am-puls-der-zeit/ …und sich immer noch treu geblieben! Einen großen Dank an den Cheftherapeuten für die Gebrannte! :-)

Baut doch eine Mauer quer über’s Meer
Tut nicht so verlogen, als fiel euch das schwer
Baut doch eure scheiß Mauer quer über’s Land

Euch fehlt’s doch sowieso an Empathie und Verstand

Europäische Wert
Exklusive Hochverehrte
Geschickt getrickst erschwerte
Heimtückisch verwehrte

Baut doch eine Mauer um den scheiß Kontinent
Die Gefahr scheint euch real um euer scheiß letztes Hemd
Baut doch eure scheiß Mauer quer über’s Land
Mit Schießbefehl wie früher, mit allem Drum und Dran

Gebt doch endlich zu, euch fällt sonst nichts mehr ein
Zu euren fucking Privilegien, eurem Unwohlsein
Ihr edlen Erfinder der Menschenrechte
Braucht doch in Wahrheit ausgesorgte Knechte

Komm Jo, mach die Musik von damals nach

Baut doch eine Mauer
Ihr liebt doch einfach Mauern
Baut doch eure scheiß Mauer
Ein Mahnmal um Paranoia

Kaltherzig sinniert und hypernarzisstisch
Auf Schuld und auf Lügen aufgebaut
Tut was ihr nicht lassen könnt, christlich misslich
Euer Karma ist eh schon längst versaut

Aber, aber, aber
Aber ihr wisst
Oder, ihr solltet besser wissen
Es fällt alles, alles auf euch zurück
So steht’s doch auch in eurer fucking Bibel
Und in anderen Prophezeiungen überall auf der Welt
Irgendwann, irgendwann ist eben doch mal Zahltag
Judgementday

(Baut doch eine Mauer) Ja ja, nicht so schön das
(Baut doch eine Mauer) Aber so steht’s geschrieben
(Ihr liebt doch einfach Mauern)
(Baut doch eure scheiß Mauer)
(Baut doch eine Mauer)

Ah ah, ah ah ah ah
Ah ah, ah ah ah ah

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/04/13/neu-die-goldenen-ziotronen-mal-wieder-ganz-am-puls-der-zeit/feed/
Zoe Keating – Tetrishead / Merci _O_P_I_U_M_H_U_M_ http://www.barrikade-moers.de/2019/02/12/320/ http://www.barrikade-moers.de/2019/02/12/320/#comments Tue, 12 Feb 2019 20:30:59 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/02/12/320/

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/02/12/320/feed/
Neu Meerbeck…ein unqualifizierter Kommentar http://www.barrikade-moers.de/2019/01/31/neu-meerbeck-ein-unqualifizierter-kommentar/ http://www.barrikade-moers.de/2019/01/31/neu-meerbeck-ein-unqualifizierter-kommentar/#comments Thu, 31 Jan 2019 12:16:21 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/01/31/neu-meerbeck-ein-unqualifizierter-kommentar/ Am 30.1.19 war ein großes Arbeitsgruppentreffen im SCI Haus an der Barbarastr. für BürgerInnen, die sich in die schon recht weit gediehene Planung für das neue Meerbecker-Grüne Zentrum/Aktivpark einbringen möchten. Zur Auftaktveranstaltung waren fast 100 Leute anwesend, nicht schlecht auf dem ersten Blick. Bei genauerem Blick dann doch die Ernüchterung, die üblichen Lokalmatadore aus der Politik nebst unserem sexy Bürgermeister, auch etliche Repräsentanten aus diversen Einrichtungen, die hier vor Ort arbeiten, aber verdammt wenig Leute, die wirklich hier wohnen. Und mit hier wohnen sind die Menschen gemeint, die von den ganzen geplanten Veränderungen Tag und Nacht betroffen sind bzw. werden, weil sie dort WOHNEN und LEBEN (das auch am Wochenende, kaum zu glauben)

Der Ansatz sogenannte Fachleute von außerhalb (in unserem Fall aus Berlin) ins Boot zu nehmen, die keinen Schimmer von der Sozialstruktur im Stadtteil haben, die selbstverständlich nicht mitbekommen, wie nachts Junkies vor der Kita schlafen, benutzte Pumpen vor dem Kindergarten herumliegen, die nicht mitbekommen wie Teenager abends und nachts hackedicht randalieren, um ihrer Lebensfreude freien Lauf zu lassen, die sich nicht fragen warum das Obdachlosen“asyl“ damals eingezäunt wurde (weil dort Obdachlose willkürlich vor Jahren von übermütigen Teenagern zusammengeschlagen wurden)..all das interessiert unsere Fachleute mit Sozialarbeiterattitüde nicht. Wir machen für euch. Punkt. Ein bißchen finetuning darf dann unter dem Schlagwort „Bürgerbeteiligung“ selbstverständlich auch noch stattfinden.
Der am grünen Tisch geplante Park ist letztendlich SOZIAL isoliert vom übrigen Stadtteil, das fällt besonders auf wenn die Landschaftsarchitekten aus Berlin einfach den immanent wichtigen Parkplatz an der Barbarstr. zu einem multifunktionsfähigen Barbaraplatz umstricken wollen. Kein Plan wo die 70 Stellplätze des Parkplatzes ausgelagert werden sollen, kein Plan wie die diversen Einrichtungen per PKW angefahren werden können. Der Parkplatz direkt vor dem SCI Haus kommt außerdem hinzu…wenn der auch noch wegfallen sollte, sieht es zappenduster aus.

Wenn die bisherige Hinterhof-Moschee ihre viertägigen nervenaufreibenden Feten schmeißt, haben wir jetzt schon extremen Parkplatzmangel. Bei anderen Events im Stadion ebenso. Da werden Ausfahrten und auch Behindertenparkplätze zugeparkt…who cares. Der geschäftstüchtige wonderfull man träumt von einem Festzelt auf dem zukünftigen Barbaraplatz, um seinen „Bum-Bum-Bass deutsche Schlagertechno“ die ganze Nacht dudeln zu können. Das hebt die Lebensqualität der AnwohnerInnen enorm. Danke. Das sind nur einige kleine Punkte, die aufstossen, die einem nur den Kopf schütteln lassen.
Man könnte die naive Planerei, die wie immer an den Bedürfnisse der betroffenen Menschen vorbeigeht, achselzuckend abtun von wg. ach ein paar Fördermittel abgegriffen …kost‘ ja nix und solch ein Planungsbüro muss ja auch von was leben, nicht wahr? Wenn da nicht, ja wenn da nicht WIRKLICHE Probleme im Stadtteil vorhanden wären.
Probleme die Kohle kosten, für die aber keine Kohle vorgesehen ist. Welche? Einfach einmal mit dem Fahrrad die Bismarckstr. hochfahren und hoffen, dabei nicht verletzt zu werden. Genau: Fahrradwege an der Bismarckstr wären ein wirklicher Pluspunkt für mehr Lebensqualität im Stadtteil. Vor ein paar Jahren ist die damalige Kita-Leiterin von einem Wagen auf der Bismarckstr. totgefahren worden…
Ich selber wechsel von der Straße oft auf den Bürgersteig, weil die Hose voll, wenn mal wieder ein Wagen mich beim vorbeifahren leicht streift. Auf dem Bürgersteig steht aber unser Stadtteil-Cop und schickt die Radfahrer verständlicherweise wieder auf die Straße. Und dann wundern sich die Leute über sogenannte „Helikopter-Eltern“, die ihre Kinder sicher nicht mit dem Fahrrad zur Kita, zur Grundschule etc. fahren lassen wollen, sondern sie mit dem PKW bringen.

Man könnte diese 8 Millionen Tacken für viele sinnvolle Projekte ausgeben, sich um die Heranwachsenden intensiver kümmern, vereinsamte Omas und Opas auffangen, die vorhandenen Kinderspielplätze mal wieder herrichten, die defekten Spielgeräte reparieren und das Invalidenwäldchen endlich mal entrümpeln usw…stattdessen wird das Invalidenwäldchen ausgedünnt, ist ja ein Angstraum, weil das Wäldchen is ja so dunkel (haben Wälder so an sich)…2019 werde ich wohl zum letzten Mal hier Fledermäuse, Spechte und andere heutzutage recht seltene Vogelarten mitbekommen dürfen.
Dafür aber ein tolles Vorzeigeprojekt, was wahrscheinlich innerhalb von ein bis zwei Jahren gut verschlissen sein wird. Is halt Meerbeck…und dann wollen wir mal sehen wer den Aktivpark wieder durchrepariert….schonmal vorbeugend einen neuen Fördertopf klarmachen Leute! Die ENNI schafft das nicht.
Ich weiß, ich seh alles zu schwarz, es ließe sich noch einiges zu dem Projekt sagen…aber wozu. Zeitverschwendung…denn ob wir diesen grandiosen Aktivpark überhaupt wollen, das interessiert hier keinen. Unsere „Sozialarbeiter“ wissen nämlich was wir brauchen….wir können es nur nicht artikulieren, weil zu doof. Tschüss.

]]>
http://www.barrikade-moers.de/2019/01/31/neu-meerbeck-ein-unqualifizierter-kommentar/feed/
Anarcho-Syndikalistinnen in Bangladesh http://www.barrikade-moers.de/2019/01/24/anarcho-syndikalistinnen-in-bangladesh/ http://www.barrikade-moers.de/2019/01/24/anarcho-syndikalistinnen-in-bangladesh/#comments Thu, 24 Jan 2019 10:33:32 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/01/24/anarcho-syndikalistinnen-in-bangladesh/ ]]> http://www.barrikade-moers.de/2019/01/24/anarcho-syndikalistinnen-in-bangladesh/feed/ http://www.barrikade-moers.de/2019/01/22/317/ http://www.barrikade-moers.de/2019/01/22/317/#comments Tue, 22 Jan 2019 16:21:28 +0000 Administrator Allgemein http://www.barrikade-moers.de/2019/01/22/317/ ]]> http://www.barrikade-moers.de/2019/01/22/317/feed/