Archiv der Kategorie 'Text-Archiv'

Is ja janz egal

Das Parlament

Ob die Sozialisten in den Reichstag ziehn –

is ja janz ejal!

Ob der Vater Wirth will nach links entfliehn,
oder ob er kuscht wegen Disziplin –

is ja janz ejal!

Ob die Volkspartei mit den Schiele-Augen
einen hinmacht mitten ins Lokal
und den Demokraten auf die Hühneraugen …

is ja janz ejal!
is ja janz ejal!
is ja janz ejal!

Die Plakate kleben an den Mauern –

is ja janz ejal!

mit dem Schmus für Städter und für Bauern:
»Zwölfte Stunde!« – »Soll die Schande dauern?«

Is ja janz ejal!

Kennt ihr jene, die dahinter sitzen
und die Schnüre ziehn bei jeder Wahl?
Ob im Bockbiersaal die Propagandafritzen
sich halb heiser brüllen und dabei Bäche schwitzen –:

is ja janz ejal!
is ja janz ejal!
is ja janz ejal!

Ob die Funktionäre ganz und gar verrosten –

is ja janz ejal!

Ob der schöne Rudi den Ministerposten
endlich kriegt – (das wird nicht billig kosten):

is ja janz ejal!

Dein Geschick, Deutschland, machen Industrien,
Banken und die Schiffahrtskompanien –
welch ein Bumstheater ist die Wahl!
Reg dich auf und reg dich ab im Grimme!
Wähle, wähle! Doch des Volkes Stimme

is ja janz ejal!
is ja janz ejal!
is ja janz ejal –!

Theobald Tiger
Die Weltbühne, 15.05.1928, Nr. 20, S. 752,
wieder in: Deutschland, Deutschland,

Ernährung – Ein Aspekt dieser Klassengesellschaft

Vor nicht allzu langer Zeit war Fleischkonsum ein Zeichen von Wohlstand. Oft konnte sich nur die herrschende Klasse Fleisch „leisten“.

Nun kehrt sich klammheimlich die Situation um. Wer heutzutage in dieser Gesellschaft zur Oberschicht gehört „entsagt“ dem Fleischkonsum in immer stärkerem Maße. Im Gegensatz dazu wird Fleisch Hauptnahrungsmittel der arbeitenden Klasse.
Gründe u.a. sind das durch die Massentierhaltung sehr preiswerte Tierqualfleisch und die „Bildungsferne“ der unteren Schichten.
Für die oberen Schichten ist sicher nicht eine neue tierfreundliche Ethik ausschlaggebend, sondern die diversen „Gammelfleischskandale“ zeigen ihre Wirkung.
Weiterhin spricht sich langsam aber sicher durch diverse Studien belegt herum, daß Fleisch und auch Milch so gesund nicht sind. Im Gegenteil. Ärzte empfehlen nur noch zweimal die Woche Fleisch zu verzehren und staatliche Gesundheitsorganisationen (zuletzt in Australien) erkennen eine rein pflanzliche Ernährung als vorbildlich für die Gesundheit an.

So ändern sich die Zeiten.

Für die arbeitende Klasse heißt das freiwillige Motto weiterhin „Her mit den halben Hähnchen“… Eat Shit!

(Quelle „Die Welt“, Achim Spiller, Professor für Lebensmittelmarketing an der Universität Göttingen)

ÜBER DIE ZWIESPÄLTIGKEIT DER HOFFNUNG

Erich Fromm aus „Anatomie der menschlichen Destruktivität“

Ich habe in dieser Untersuchung zu zeigen versucht, daß der prähistorische Mensch, der als Jäger und Sammler in Sippenverbänden lebte, durch ein Minimum an Destruktivität und ein Optimum an Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zum Teilen mit anderen gekennzeichnet war und daß erst mit der wachsenden Produktivität und Arbeitsteilung, mit der Bildung eines großen Überschusses und der Errichtung von Staaten mit Hierar­chien und Eliten Destruktivität und Grausamkeit großen Ausmaßes entstanden. Züge, die immer stärker wurden, je mehr die Zivilisation fortschritt und die Macht an Bedeutung gewann.
Hat diese Studie nun gültige Argumente für die These geliefert, daß Aggression und Destruktivität noch einmal eine nur minimale Rolle im Gewebe der menschlichen Moti­vationen spielen können? Ich glaube, ja – und ich hoffe, daß viele meiner Leser diese Meinung teilen.

Soweit die Aggression biologisch in den Genen des Menschen vorgegeben ist, ist sie nicht spontan, sondern eine Verteidigung gegen die Bedrohung vitaler Interessen des Menschen, seines Wachstums und seines Überlebens als Individuum und als Art. Diese defensive Aggression war unter bestimmten primitiven Bedingungen relativ gering – als nämlich ein Mensch für den anderen noch keine große Bedrohung darstellte. (mehr…)

DOA – General Strike

Shut it down! we‘re tired, yeah, tired of workin‘.
yeah, workin‘ for nothin‘. we all want, what we
got comin‘. all we need is a break, come on take a
break. everything is not all right and there´s no
end in sight. you can call it, whatcha like. come
on, stand up for your rights. stand up, stand and
unite. it´s time for a general strike. we been
breakin‘ our backs. been out workin‘ gettin‘
no slack. all week long, payin‘ those bills.

Realistischer Ausblick zur Krise – Interviewauszug mit Paul Mattick jr.

Paul Matticks Buch (erschienen Februar 2012, kann auch beim Syndikat-A käuflich erworben werden) Syndikat-A

Zeitgenössische linke Ökonominnen und Ökonomen, die sich oft auf Keynes beziehen, kritisieren die aktuellen Sparmassnahmen als Bremse für einen Aufschwung. Im Gegensatz dazu sagst du, dass jeder wirkliche Aufschwung auf kapitalistischer Grundlage einen Abbau der staatlichen Defizite erfordert, mit allen Konsequenzen für den Lebensstandard. Was würdest du dann zu den Arbeiterinnen und Arbeitern sagen, die das Regierungsgebäude in Wisconsin besetzt haben? Handeln die vergeblich oder sogar gegen ihre eigenen Interessen, wenn sie versuchen, ihre Jobs zu erhalten?

Ich würde sagen, dass sie in ihrem eigenen Interesse agieren, insoweit sie nicht für die Wirtschaft kämpfen, sondern für ihre Renten, für etwas zu essen, ihren Lebensstandard, ihre Miete und so weiter. Aber sie sitzen einer Illusion auf, wenn sie denken, dass ihr eigenes Wohl und das Wohl der Wirtschaft miteinander einhergehen.
Die Leute müssen lernen, dass sich beides in Situationen wie heute gerade widerspricht. In Wisconsin sind die Arbeiterinnen und Arbeiter offensichtlich ihren Gewerkschaften gefolgt, die bereit waren, die Lebensbedingungen ihrer Mitglieder der Wirtschaft Wisconsins zu opfern. Es wäre seitens der Arbeiterinnen und Arbeiter Wisconsins vernünftiger zu sagen: Zur Hölle mit Wisconsins Wirtschaft! Wir wollen was zu essen, wir wollen Boote, um auf dem See zu segeln, wir wollen unsere Rente und gute Schulen für unsere Kinder. Die Wahrheit ist, dass es dort einen tatsächlichen Konflikt zwischen den Interessen der so genannten einfachen Leute – also der Arbeiterinnen- und Arbeiterklasse – und den Interessen der kapitalistischen Wirtschaft gibt. Die Erhaltung und künftige Prosperität des Kapitalismus erfordert die Verarmung der Bevölkerung, und wenn sie es bevorzugen, zu verarmen, um den Kapitalismus zu retten, schön, dann werden sie verarmen. Der instinktive Wunsch, nicht zu verarmen, scheint mir sehr vernünftig zu sein, aber das Problem ist, dass sie bis jetzt nicht verstanden haben, dass sie im Kapitalismus nicht mehr Renten und Löhne wie früher bekommen werden.
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Ringelpietz mit Anfassen

Wie die örtliche Presse berichtete, wird auch vor der Moerser Moschee an der Römerstraße (zuvor auch vor Merkez-Moschee in Duisburg) am 30. April die rechtsextreme „Pro NRW“ eine „Mahnwache“ abhalten. Der ekelerregende braune Sumpf von „Pro NRW“ will mit dieser Aktion vordergründig vor der Islamisierung des heiligen deutschen Abendlandes warnen. Vor ein paar Jahrzehnten standen ja auch schon mal teutsche Mitbürger vor religiösen Einrichtungen – hatten aber direkt ‚Nägel mit Köppen“ gemacht – und ihre Streichhölzer mitgebracht.
Diesmal ist aber alles ganz anders, denn der Bürgermeister und der Rat der Stadt setzen ein klares Zeichen und basteln mit anderen anständigen MitbürgerInnen eine Menschenkette rund um die Moschee und im Hof der religiösen Einrichtung wird gefeiert. Also ist die Welt weitgehend in Ordnung?
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In Gedenken an eine starke Frau: Zur Ermordung von Phoolan Devi

*Geklaut aus der „Alhambra“-Zeitung*

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Am 25.07.2001 wurde die als Banditenkönigin weltweit bekannt gewordene indische Frauen- und Menschenrechtlerin Phoolan Devi in Delhi auf offener Strasse erschossen. Phoolan Devi, die 1999 zum zweiten Mal für die sozialistische Samajwadi Party ins indischen Unterhaus (Lok Sabha) gewählt worden war, war in der Mittagspause auf dem Weg vom Parlament zu ihrem Wohnhaus, als drei maskierte Männer fünf Schüsse auf sie abgaben. Drei Kugeln trafen sie tödlich im Kopf.

Während die politische Linke in Indien über die Ermordung von Phoolan Devi geschockt war, reagierte die Bevölkerung in dem Bundesstaat Uttar Pradesh, am Tag nach ihrer Ermordung mit Protestkundgebungen und Massenstreiks. Der bandh (Ausstand) legte die Stadt Mirzapur und Umgebung – Phoolan Devis Wahlkreis – völlig lahm, zwischen Delhi und Kalkutta verkehrende Fernzüge wurden angehalten und Parteibüros der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP) mit Steinen beworfen.

Die Geschichte von Phoolan Devi – „Göttin der Blumen“, wie ihre Eltern sie genannt hatten –, ist die einer Frau, die sich gegen die erdrückende Atmosphäre sexistischer Gewalt in Indien auflehnte und dazu das Mittel bewaffneter Gegengewalt wählte. (mehr…)

Adorno über die zwischenmenschliche Kälte

Ein Textauszug von Sibylle Berg (sie spricht mir aus dem Herzen, mit Dank an Elena)

Sieben am Morgen. Irgendwo in Deutschland. In einer Großstadt. Umschlagplatz der Trambahnen. Umsteiger aus den Vororten, auf dem Weg in Büros. Wie Kinder, in Uniformen gezwängt von hektischen Eltern, viel zu früh. Die Gesichter blass, die Uniformen kratzen, sie müssen aus einem Kinderschlafgesicht ein Erwachsenengesicht machen. Schnell. Jetzt. Und ab in Büros, in Verkaufsräume. Nicht zu spät kommen, nur nicht. Solche Angst vor dem Zuspätkommen, dem Nichtgenügen, dem Ausgetauschtwerden. Von wem nur?

Manche haben vielleicht noch einen Chef – lebendig, jung, dynamisch. Ein Arschloch in jedem Fall. Oder einfach ein Vorgesetzter. Jung, dynamisch. Ein Arschloch. Ein Alphatier. Aber mit Führungsqualität. Wo ist der Führer eigentlich, der darüber befindet, dass einer mit 50 zu alt für seinen Job ist? Solche Angst. Sie lassen sich ausbeuten und würden es doch nie so nennen. Ich arbeite gerne, würden sie sagen, was auch sonst. Es können ja nicht alle selbständig sein, Künstler oder Penner, einer muss ja arbeiten. Für wen eigentlich? Für Vorstandsvorsitzende, für Manager mit Millionensalären. Ein paar Milliarden Bonus für die Mitarbeiter einer Bank, die ein paar Milliarden Minus erwirtschaftet hat.

Früher nannte man das Klassenkampf. Die da oben die da unten. Heute nennt man es einfach Angestelltenverhältnis, und keiner wundert sich. Den ganzen Tag verkaufen, eine Stunde Mittagspause, aber nur nicht überziehen, nicht aus der Masse ragen, nicht auffallen, sich ducken. Nach Dienstschluss in eine Bar. Den Stress wegsaufen. Auf die Idee, zu demonstrieren, kommt keiner. Wir haben ja Freizeit. Am Wochenende. Da sind wir zu müde. Oder machen Sport, um unsere Arbeitskraft zu erhalten. Oder grillen Würste. Und sind danach müde. Und einmal im Jahr gibt es Urlaub. Hurra.

Inglourious Basterds

Ein bißchen spät, aber dennoch…wir haben ihn uns nun angeschaut, und wie schon bei Fight Club und den anderen Tarantino Machwerken bleibt am Ende ein ganz mieses Bauchgefühl, und die Frage, warum so ein Mist von so manchen guten Bekannten hoch bejubelt wird… wo doch noch nicht mal der Titel richtig geschrieben ist *lol* (Mr. Ts Begründung laut „Stern“: er findet, „basterds“ hört sich einfach besser an… Aha :-) )

Eine gute Kritik von Hiram Lee:

Quentin Tarantino’s jüngster Film Inglourious Basterds wurde von den Kritikern bejubelt und bewegt sich seit seiner Premiere am 21. August an oder in der Nähe der Spitze der US-Kinocharts. Es ist ein durch und durch abstoßendes Werk, in dem Tarantino einem Massenpublikum mal wieder eine Folge von verworrenen und sadistischen Bildern zumutet.
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Kurzer Bericht zur Veranstaltung mit G. Kuhn

Ähnlich wie in Hamburg und Münster war das Publikum nicht gerade in Massen in die „Barrikade“ geströmt. Nichtsdestotrotz wars ein interessanter Abend. Gabriel ist ein symphatischer Typ, der locker die Broschüre vorstellte und uns einen Überblick über die schwedische Szene und die Rolle der syndikalistischen Organisation SAC gab. (mehr…)

Vier Festivals – ein Rückblick

Vor vier Jahren gab es in dieser Zeitung unter der Überschrift „Zwei Festivals, ein Wetter“ einen Bericht, der das Moerser Jazz Festival und die Fusion im ostdeutschen Lärz zusammengefaßt behandelte. Seitdem sind zwei neue Festivals entstanden, das neue „MAMF“ heißt jetzt „Freefall“ und wurde Ende August im Moerser Freizeitpark über die Bühne gebracht, zeitgleich mit dem Gelderner Offside Festival, dessen erste Auflage noch als OffsideOpen unter künstlerischer Leitung des Moerser Musikveteranen Burkhard Hennen lief. Grund genug für mich, mich ein bißchen auf den besagten Festivals umzuhören und es artikeltechnisch meinen Vorgängern von der Wildcat gleichzutun.
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Eine kapitalistische Krise der anderen Art!

  • aus der reihe nachrichten von der klassenfront

    Dramatischer Anstieg bei psychischen Erkrankungen

    MÜNCHEN (kna) Experten warnen vor einer starken Zunahme von psychischen Erkrankungen.
    Schon jetzt gehe jeder zehnte Arbeitsunfähigkeitstag in Deutschland auf psychische Störungen zurück, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Wolfgang Gaebel, dem „Focus“. Bis zum Jahr 2020 stünden seelische Erkrankungen wie Depressionen weltweit an zweiter Stelle der Krankheitslast. „Wir sehen hier dramatische Entwicklungen, über die wir uns Gedanken machen müssen“, so Gaebel. Wer psychisch krank werde, müsse nicht selten um sein Ansehen am Arbeitsplatz oder gar um diesen selbst fürchten, so der Düsseldorfer Psychiater. Arbeitgeber müssten deswegen umso aufmerksamer agieren und „die menschliche Ressource hegen und pflegen“.

  • Die große Illusion – Mega-Blase Weltwirtschaft

    Ein Text zur aktuellen Krise, den wir von der „Trend“ Onlinezeitung kopiert haben. Interessant und diskussionswürdig.

    von exner2 am Montag

    Die “Regulierung der Finanzmärkte” wird zum neuen Mainstream. Der CDU-Politiker Heiner Geißler erklärt, dass “die Marktideologie gescheitert” sei. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac fühlt sich bestätigt. Hat man es doch seit Jahr und Tag gesagt: die “entfesselten” Finanzmärkte sind instabil. Nun fühlt Attac seine große Stunde gekommen, so scheint’s. Und man bläst zum Halali: “Die Krise ist die direkte Folge der Gier und der Skrupellosigkeit der Banker und Fondsmanager – und vor allem der Tatenlosigkeit der Politik”, tönt Attac Deutschland auf der Titelseite seiner Webpage.

    Attac liegt falsch.

    Die vermeintliche “Gier” ist dem Kapitalismus eingebaut. In einer Geldwirtschaft macht Produktion nur Sinn, wenn mehr Geld dabei herauskommt als investiert worden ist. Das erzwingt nicht zuletzt die Konkurrenz – wer keinen Profit macht, kommt darin um. Und weil am Markt niemand vor dem anderen sicher ist, wird der Profit auch nach Kräften maximiert. Ganz abgesehen davon, dass in einer Geldwirtschaft es gar nicht anders sein kann, als dass mehr Geld besser ist als weniger Geld. Attac fuchtelt daher zu Unrecht mit dem moralischen Zeigefinger herum. Mehr Moral hilft keinen Zentimeter weiter, wenn das Problem in der Struktur der Gesellschaft liegt. Skrupellos ist es, nur leben zu können, wenn man sich verkaufen kann. Dass Attac dagegen jemals aufgetreten ist, habe ich noch nicht gehört. (mehr…)

    Jazz 2007: „Das quietscht so!“

    Aber noch ist lange keine letzte Ölung für das Moers Festival in Sicht
    Moers-Festival
    Wieder ist ein Jahr, gerechnet in der Moerser Einheit „Jazz“, vorüber. Und wieder hatte der gemeine Festival-Frequentierer, besonders in den späten Abendstunden, mit zum Teil heftigem Regen zu kämpfen.
    Dabei hatte doch Carmen Weist (SPD), Aufsichtsratsvorsitzende der Festival Moers Kultur GmbH, schon weit im Vorfeld für Pfingsten schönes Wetter versprochen, aber nun ja, Versprechungen von Sozialdemokraten halt… (mehr…)

    Das ewige Verhältnis zum „Judentum“

    Ein Artikel aus den aktuellen „Barrikaden-Nachrichten“
    Der folgenden Textauszug entstammt einer neuen Broschüre des Syndikat-A mit dem Titel „Das Volk hört die Signale“ / Zur diskursiven Rekonstruktion einer „deutschen Nation“. Die Broschüre behandelt am Beispiel der WM 2006, der aktuellen deutschen Popmusik, der sogenannten Friedenbewegung unter anderem das „neue“ deutsche Nationalgefühl.

    Das ewige Verhältnis zum „Judentum“

    Dieser Text entsteht, nachdem der dreiwöchige Krieg – und anders kann der Konflikt nicht benannt werden – zwischen der Hezbollah und Israel gerade (zumindest offiziell) beendet ist.
    In unserem Zusammenhang ist die Beredsamkeit über diesen Konflikt faszinierend. Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Konflikt- Und Friedensforschung (AKUF) zählte 2004 42 Kriege und bewaffnete Konflikte. 1)
    Diese Zahl wird sich bis heute nicht wesentlich geändert haben und an einigen davon ist deutsches Militär explizit beteiligt (u.a. Mazedonien, Kosovo, Afghanistan und Kongo – wir haben oben schon auf dieses Thema hingewiesen). Obwohl – gerade für eine sozialistische Perspektive – andere Konflikte wesentlich mehr Relevanz aufweisen (die Ereignisse im Bundesstaat Oaxaca werden in Mexiko als „Commune von Oaxaca“ behandelt, der Fokus selbst der linken Medien in der BRD liegt jedoch auf dem Nahen Osten), bestimmt dieser Konflikt die Medien, die Straße und das Parlament.
    Es gibt sicherlich einige gute (und auch weniger gute) Gründe dafür, diesen Konflikt zu thematisieren: Erstens ist dies in der Tat die Vergangenheit Deutschlands, zweitens ist die Zahl der Hezbollah-Mitglieder in der BRD mit vom Verfassungsschutz geschätzten 900 Personen nicht gerade gering, drittens taten die Bahnanschläge Ende Juli 2006, die augenscheinlich einen islamistischen (nicht: islamischen!) und antisemitischen Hintergrund hatten sowie (viertens) die Debatte um einen Einsatz deutscher Soldaten in der Region – wobei dieser vierte Aspekt durchaus auch Effekt und nicht Grund der medialen Aufmerksamkeit ist – ihr übriges.
    Dennoch: Die Emotionen wallen, und auch wenn die Wallung der Emotionen als solches nicht negativ zu bewerten ist (wären sie doch bloß bei der Einführung der Hartz-Gesetze ähnlich übergeschwappt! – dazu kommen wir noch…), fragt sich doch, warum. (mehr…)




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