Lückenfüller bis zur nächsten Veranstaltung – Don‘t let the fuckers get you down

Wie bereits auf dem ersten Album, setzt sich Texterin Beth wieder mit der normativen Kraft der kleinbürgerlichen Gesellschaft auseinander, mit der Andersdenkende scheinbar selbst im 21. Jahrhundert noch zu kämpfen haben.

Forderungen wie: Hinterfrage nicht die Dinge, weiche nicht vom Lebensweg deiner Eltern ab, bleibe katholisch.

„Dieser Einfluss der gesellschaftlichen Normalität ist jetzt – verglichen mit anderen Dingen auf der Welt – nicht wirklich schlimm. Aber er stört mich. Letztendlich sind ein paar wirtschaftliche, ökologische und politische Prozesse, die sich gerade in der Welt abspielen, viel gefährlicher. Aber auch diese gesellschaftlichen Dinge stören mich. Denn das ist etwas, was mich direkt betrifft, etwas, das ich sehen kann und sehr nah bei mir geschieht. Insofern ist es schon sinnvoll, darüber zu singen, eben weil es etwas ist, das in meinem täglichen Leben passiert. Höchstwahrscheinlich schreibe ich aus diesem Grund mehr über sozialen Druck als über andere Dinge.“

Insgesamt sind die Texte weniger fragmentarisch als noch auf dem Debüt, sondern ausgereifter und klarer. Es geht um Selbstzweifel und auch um die Liebe oder vielmehr darüber, dass es manchmal vielleicht besser sei, angesichts ihrer mitunter brachialen Folgen vielleicht ganz die Finger davon zu lassen.

Auf dem Titelstück „Adore“ bekennt sich ausgerechnet Frontfrau Beth, die an einen düsteren Engel erinnert, als Lebensbejaherin und fragt philosophisch: Ist es überhaupt menschlich, das Leben zu verehren?

In Savages‘ Songs finden sich unterschiedliche Einflüsse. Für Jehnny Beth ist der US-Musiker Michael Gira ein wesentlicher davon. Dessen Band „Swans“ beschreibt die Frontrau in ihrem Blog gar als „die Essenz aller Musik“. Parallelen gibt es durchaus – nicht zuletzt dass musikalisch allenfalls wenig dem Zufall überlassen wird. Auch Savages sind Freundinnen des durchdachten, konzeptionellen Arbeitens.


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