Dem Reformationsjahr zum Geleit

Erst recht und mit wieviel mehr Grund sind die Ideologien, Illusionen, Mythifizierungen, Theokratien des Kirchenchristentums abgelaufen, samt dem transzendent fixierten, stationierten Zuhöchst im Jenseits der Beschwerde.

Der echte Marxismus nimmt statt dessen das echte Christentum ernst, und nicht ein bloßer Dialog trägt dazu bei, dem die Standpunkte am liebsten abgemattet und kompromißlerisch gemacht werden, vielmehr: wenn christlich die Emanzipation der Mühseligen und Beladenen wirklich noch gemeint ist, wenn marxistisch die Tiefe des Reichs der Freiheit wirklich substanziierender Inhalt des revolutionären Bewußtseins bleibt und wird, dann wird die Allianz zwischen Revolution und Christentum in den Bauernkriegen nicht die letzte gewesen sein – diesmal mit Erfolg.

Auf dem Schwert Florian Geyers, des großen Kämpfers aus dem Bauernkrieg, soll eingeritzt gewesen sein: nulla Crux, nulla corona (Kein Kreuz – und keine Krone); das wären auch die Stichworte eines sich endlich unentfremdeten Christentums, und das noch weiterhin dringende, so unausgeschöpft Emanzipatorische darin gibt ebenso das Stichwort eines seiner tiefen Dimensionen einmal bewußt gewordenen Marxismus. Vivantes sequentes; es vereinigen sich dann Marxismus und Traum des Unbedingten im gleichen Gang und Feldzugsplan. Das nicht mehr entfremdete Humanum, das Ahnbare, noch Ungefundene einer möglichen Welt, beides steht unabdingbar im Experiment Zukunft, Experiment Welt. Ernst Bloch aus „Atheismus im Christentum“.


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