Ringelpietz mit Anfassen

Wie die örtliche Presse berichtete, wird auch vor der Moerser Moschee an der Römerstraße (zuvor auch vor Merkez-Moschee in Duisburg) am 30. April die rechtsextreme „Pro NRW“ eine „Mahnwache“ abhalten. Der ekelerregende braune Sumpf von „Pro NRW“ will mit dieser Aktion vordergründig vor der Islamisierung des heiligen deutschen Abendlandes warnen. Vor ein paar Jahrzehnten standen ja auch schon mal teutsche Mitbürger vor religiösen Einrichtungen – hatten aber direkt ‚Nägel mit Köppen“ gemacht – und ihre Streichhölzer mitgebracht.
Diesmal ist aber alles ganz anders, denn der Bürgermeister und der Rat der Stadt setzen ein klares Zeichen und basteln mit anderen anständigen MitbürgerInnen eine Menschenkette rund um die Moschee und im Hof der religiösen Einrichtung wird gefeiert. Also ist die Welt weitgehend in Ordnung?

„Pro NRW“ wird – wie man Facebook entnehmen kann – selbstverständlich von den stadtbekannten „Autonomen Nationalisten“ unterstützt. Die haben zwar erst kürzlich bei ihrer Verunstaltungsaktion in Moers-Schwafheim polizeilich einen Dämpfer bekommen, aber das kann die wackeren Kämpfer sicher nicht davon abhalten auch hier aufzutreten.
Wir werden uns das einfach mal angucken.
Ringelpietz mit Anfassen unter regenbogenfahnenschwenkenden Gutmenschen ist nichts für uns … und bei allem Hass auf die Nasen…. extrem patriarchale Gottvater-Religionen wie z.B. der Islam machen es uns, die wir immer noch die schwarzrote Fahne der Emanzipation hochhalten, nicht gerade einfach im Hof einer Moschee ne Party zu feiern.

Als Anarcho-SyndikalistInnen sind und waren wir schon immer erbitterte GegnerInnen jeder Form von religiöser Ignoranz. Religion hat in der Geschichte der Menschheit immer wieder die Form eines Unterdrückungsverhältnisses angenommen und ist deshalb zu bekämpfen. Natürlich haben Individuen das Recht auf ihren eigenen Glauben, aber freiheitsliebende Menschen sind an die Pflicht gebunden, reaktionären Glauben aufzudecken, zu verurteilen und in den Mülleimer der Geschichte zu kicken.
Einen frauenfeindlichen und reaktionären Glauben zu verteidigen kann nicht unsere Sache sein.

Und so hocken wir wie so oft zwischen den Stühlen. Gesicht zeigen gegen die Nasen – klare Sache. Aber uns mit den kulturellen Relativisten der offiziellen Gegendemo in einen Topf werfen lassen – nein Danke.


3 Antworten auf „Ringelpietz mit Anfassen“


  1. 1 sexandthecity 24. April 2012 um 19:23 Uhr

    sry GenossInnen. Hab euren Aufruf gelesen und kann mir einen kleinen Kommentar nicht verkneifen:

    1. Autonome Nationalisten sind keine „wackeren Kämpfer“, auch nicht ironisch, wie es hier wohl gemeint war. Faschisten sind dreckige Hunde.

    2. „regenbogenfahnenschwenkenden Gutmenschen“ – Den Begriff Gutmenschen gehört zum rechtspopulistischen Stammvokabular. Den sollten sich Anarchisten nicht aneignen. Dazu könnt ihr mal den Eintrag bei Wikipedia durchlesen, oder, wenn ihr mirs nicht glaubt, lest euch mal Seiten der Pro-Bewegung durch. Da wird der Begriff inflationär gebraucht.
    Gegen regenbogenfahnenschwenkende Menschen hab ich auch nichts. Weder gegen Homosexualität, noch was gegen Pazifismus. Seit wann haben Anarchisten etwas gegen Regenbogenfahnen. Das ist absurd.

    3. „Nasen“ Ich weiß dass der Ausdruck ziemlich geläufig ist. Ich find ihn schlichtweg scheiße.

    4. „Natürlich haben Individuen das Recht auf ihren eigenen Glauben, aber freiheitsliebende Menschen sind an die Pflicht gebunden, reaktionären Glauben aufzudecken, zu verurteilen und in den Mülleimer der Geschichte zu kicken.“

    Ich kann nicht sehen, wie die Freiheit der muslimischen Religionsausübung meine Freiheit beschränkt. Im übrigen kann man dem Islam immer noch zu Gute halten, dass er keine organisierte Religion ist – im Gegensatz zu den Schweinen von der kath. Kirche. Und nur so nebenbei: es gibt einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus.

    Gegen radikale Leute lässt sich ja was sagen; Pierre Vogel, Ahminidschad etc. – aber das ist ne scheiß Moschee. Die ist schätzungsweise genauso homophob, frauenfeindlich und patriachal wie jedes Fußballstadium. Und an islamkritischen Stimmen fehlt es ja nun wirklich nicht in der deutschen Gesellschaft und den deutschen Medien.

    5. Aha, ihr sitzt also zwischen den Stühlen, wenn die bürgerliche Klasse eine Aktion gegen die Nazis veranstaltet. Also ich sitz da nicht zwischen den Stühlen. Zwischen welchen Stühlen überhaupt?

    Nichts für ungut ;)

  2. 2 Hen 25. April 2012 um 15:30 Uhr

    Hallo sexandthecity

    Auch kurz ein paar Zeilen, die ich mir nicht verkneifen kann.

    1.“Wackere Kämpfer“ ist Ironie…Da du gern im Wiki nachschlägst hier die entsprechende Definition:
    „Ironie…bezeichnet zum einen eine rhetorische Figur (Rhetorische Ironie oder auch instrumentelle Ironie[1]), bei der sich der Sprecher verstellt und damit dennoch die Erwartung verbindet, dass der wahre Sinn seiner Äußerung verstanden wird, wenn auch vielleicht nicht von jedem oder von jedem in vollem Umfang.“
    Leider konntest du den Erwartungen der Autoren des von dir kritisierten Textes nicht entsprechen.Schade.

    2. Der Begriff „Gutmenschen“ wird tatsächlich – relativ neu – von konservativen bis hin zur rechtssextremen Szene benutzt. Vorher (in den achtziger Jahren, autonomen Szene) wurde der Begriff sehr häufig von der radikalen Linke als Kritik an unsere lieben MitBÜRGERinnen verwendet. Leute, die irgendwie aus dem Bauch heraus moralisierend für den Frieden, für die Mülltrennung oder auch gegen Ausländerfeindlichkeit eine Menschen- oder Lichterkette bastelten und danach beruhigt wieder in den Fernsehsessel zurücksinken konnten. Nur nicht handeln, nur nicht anecken. Das gute Deutschland mit gutem Gewissen, das nicht wahrhaben möchte, das Faschismus und bürgerliche Demokratie zwei Seiten der gleichen Medaille (der Medaille „Kapitalismus“)sind.
    Alles nach dem Motto: Nur nicht zu Ende denken (also radikal sein), denn sonst könnte mensch hier landen:

    „Wer vom Kapitalismus nicht reden will, der sollte vom Faschismus schweigen.“ (Max Horkheimer)
    Ja, dann wäre es sehr still in dieser Republik.
    Diese Empfehlung Horkheimers ist aktueller denn je…das läßt auch dein Kommentar vermuten.

    3.“Nasen“ tja, da kann ich nichts zu sagen, so reden heutzutage die jungen Leute/Antifas…, sach‘ doch mal an…was ist an dem Begriff/Jargon so „scheiße“? Ich persönlich finde den eher schlapp…

    4. Zuguterletzt:“Ich kann nicht sehen, wie die Freiheit der muslimischen Religionsausübung meine Freiheit beschränkt.“

    Tja, da bist du halt zu bauchnabelzentriert. Du lebst in einer bürgerlichen weltoffenen Pseudo-Demokratie, die übrigens ganz schnell wieder die fiese Fratze des Faschismus aus der Klamottenkiste holt, sollte es notwendig sein.
    Das von dir oben angeführte Zitat wurde von einer anarchosyndikalistischen Genossin verfasst, die das „Glück“ hatte in einem islamisch organisierten Staat leben zu müssen. Verlass mal deinen Eurozentrismus und versuche dich in Perspektivenverschränkung. Hast du gemacht? Dann hoffe ich jetzt, das du nun verstehst.

    Natürlich geht aktuell – abgesehen von arg extremen Sekten des Islam – keine Gefahr für DEINE Freiheit aus. Aber, und das sehen wir wirklich so…ist eine Gefahr für die Freiheit in Religionen mit Alleinvertretungsanspruch immer eingearbeitet. Das gilt selbstverständlich auch für fundamentalistische Christen. Da ist kein Platz für Toleranz, anders sein etc.
    Selbstverständlich ist jede Religion zutiefst reaktionär. Wenn du darüber noch diskutieren möchtest…tja, was soll ich dazu noch sagen? Okay, laß uns vielleicht einen Bibelkreis gründen, da habe ich Erfahrung mit. Dafür benötigen wir nicht mal den Koran, um den antiemanzipatorischen Gehalt von „Gottvater-Religionen“ zu untersuchen und die deine „persönliche Freiheit“ einschränken, wenn sie die Chance bzw. Macht dazu haben. Guck ma Geschichte, da hast du zahllose Beispiele.

    5. Du sitzt wirklich nicht zwischen den Stühlen, du sitzt fest verankert im bürgerlich demokratischen Lager..so kommt es zumindest rüber.
    Zwischen welchen Stühlen sitzen wir:
    Vielleicht ein konkretes Beispiel: Eine der Moscheen, die sich „Pro NRW“ für ihre Mahnwachen ausgesucht hat ist eine Moschee in Krefeld. Bei der “Yavuz Sultan SelimCami-i”-Moschee handelt es sich um einen Sammelpunkt der Grauen Wölfe.
    Da treffen sozusagen zwei Freunde im Geiste aufeinander, die sich von ihrer grundsätzlichen autoriätern und faschistoiden Geisteshaltung nicht sehr unterscheiden. Uups, was wollen wir da? Berechtigte Frage. Oder?
    Wird nun klarer, was wir mit „zwischen den Stühlen“ meinen? Sicher müssen wir differenzieren. Wenn mein türkischer Kumpel mich aufklärt, wer „unsere“ Moschee im Stadtteil dominiert bzw. finanziert wird mir ganz schlecht. Die Moschee an der Römerstr. in Moers ist dagegen recht harmlos, sie wird vom türkischen Staat finanziert, der auf Kosten des Hauses Prediger aus der Türkei einfliegt.
    Und den anderen Stuhl hatten wir weiter vorne schon erwähnt, das sind diese sozialdemokratischen durch und durch lieben Mitmenschen, die Toleranz mit Beliebigekeit verwechseln und nicht wirklich über die Ursachen von Rassismus, Nationalismus nachdenken wollen…denn dann müssten sie die „Systemfrage“ stellen, (grins) und dann bekommen wir alle zusammen ganz fett Angst (vor der Emanzipation).

    Alles Gute.

  3. 3 Weh 25. April 2012 um 18:28 Uhr

    @ Hen: Daß das Ironie sein soll, hat sexandthecity doch verstanden. Findet es aber unlustig.

    @ sexandthecity

    zu 1. und zum Rest: Sich an diesen von dir recht seltsam anmutend ausgewählten Begrifflichkeiten aufzuhängen ist irgendwie mehr ’ne Definitions-… nee, Moment, warte, noch nicht mal …nurmehr eine Geschmacksfrage :)

    Humor, Ironie – diese gewisse Würze in der Elendssuppe ( – ist, wie sagt der Volksmund, wenn man trotzdem lacht)- karambolieren mit falsch verstandener Political Correctness, schon klar. Gähn.

    2. Gut, wenn du dich mit den Bürgers (oder eben Gutmenschen – den Begriff benutzen wir gerne und ausgiebig. Auch uns selbst (also, so ganz intern in unseren undergroundigen, furchtbar subversiven anarchistischen Zirkeln) betiteln wir wenn wir böse sind manchmal gegenseitig so, quasi als Rüge für gedankenloses, bürgerliches, antiemanzipatorisches Verhalten. Das hört sich dann so an: „Du, du, du, elender Gutmensch, du *schimpf*“ Kann passieren, also, gedankenfreies Verhalten, dieses Vakuum, das Bewußtsein werden soll … Sozialisation, you know, es ist soooo schwer, sich zu befreien von all dem Ballast, der uns mitgegeben wurde. Mensch muß sich eben immer wieder zurückholen können oder lassen. (R)Evolution halt. Learning by doing) *fadenwiederaufnehm* identifizieren kannst und das alles so prima findest, inklusive der Ideologie die dahinter steckt – jede/r wie er/sie kann, sach ich da mal ganz platt. Wir können es nicht (ertragen nämlich), weil regenbogenfahnenschwenkende Gutmenschen, auch wenn diese sich dessen nicht bewusst sind (wobei Bewusstlosikeit keine Ausrede mit immerwährender Gültigkeit ist, s.o.), zur Aufrechterhaltung der Unterdrückungsverhältnisse mehr beitragen, als ihnen lieb wäre, wenn sie darum wüßten ….. Aber um die Ecke denken ist ja ziemlich anstrengend.

    3. Geschmacksfrage, mal wieder. Hach. Darfst du ruhig Scheiße finden, deine Freiheit, meine Freiheit. Wo ist die Freiheit, die ich meine? So viele unnötige Worte, so viel Aufhebens um einen Hauch von Nichts, aber meine Tastatur macht so schöne klackende Geräusche wenn ich graziös mit den Fingerspitzen darauf herumtippe (jawoll, das kann ich – die Kunst des eleganten Vierfingersystems – und den Rücken dabei immer schön gerade!) …klickediklack..klickediklack….
    Okay, überspringen wir diesen Punkt einfach großzügig und gehen zum nächsten über:

    4. Zitat sexandthecity (ist der Nick eigentlich „nur so“ oder bedeutet er etwas speziell Tiefsinniges, so wie meiner? :-) ?): „Ich kann nicht sehen, wie die Freiheit der muslimischen Religionsausübung meine Freiheit beschränkt. Im übrigen kann man dem Islam immer noch zu Gute halten, dass er keine organisierte Religion ist – im Gegensatz zu den Schweinen von der kath. Kirche. Und nur so nebenbei: es gibt einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus.“

    Vielen Dank für die Aufklärung :)
    Tatsächlich ist uns dieser Unterschied unglaublicherweise bewußt – und TROTZDEM bleibt die Kritik. So. Tja. Ich denke, wir bewegen uns auf politisch ziemlich unterschiedlichen Ebenen, eigentlich müßig, das Ganze. Hen hat ja auch schon alles gesagt. Belasse ich es dabei anzumerken, daß ein falsches Bewußtsein, auch wenn es deiner Meinung nach schon oft genug kritisiert wurde, TROTZDEM kritikwürdig bleibt.
    Diese unter Gutmenschen (hui, das böse Wort) moderne liberale Beliebigkeit (ihr nennt es glaube ich „Toleranz“, schade, daß dieses eigentlich so schöne Wort so schändlich misshandelt wird :-( ….) kann nicht unsere Sache sein.

    Übrigens, jetzt muß ich auch mal um Vokabeln feilschen – bitte nicht radikal und extrem verwechseln, wo kommen wir da denn hin

    5. Schön, dann bist du ja gut aufgehoben :-)
    Wo war noch mal das Problem?

    P.S.: Dieses „GenossInnen“ irritiert mich irgendwie…..

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