Anarchie und Sex

Freitag, 10.12.2010, 20 Uhr

Vortrag mit anschließender Diskussion
Referent: Rudolf Mühland, FAU Düsseldorf
(Eintritt frei)

Die Idee zu diesem Vortrag hatte ich bei einer Veranstaltung in Salzburg. Im Anschluss an den Vortrag „Anarchie und Strafe – zur Zukunft des Knastsystems in der Anarchie“ diskutierten die Anwesenden sehr schnell überSex, Gender, SM-Praktiken u.v.a.m.
Diese Diskussion zeigte mir einerseits, dass es ein großes Interesse am Thema Sex* und andererseits, trotz zahlreicher analytischer Beschäftigungen mit dem Thema, allerlei Unsicherheiten gibt. Mein Vortrag wird sicher nicht in der Lage sein alle Frage zu beantworten (oder auch nur anzureißen), aber ich hoffe doch einige sachlich-sinnliche Hinweise geben zu können. Aber was macht uns eigentlich beim Thema Sex so unsicher und vor allem, was hat Sex mit Anarchie zu tun?
Mit Konstantin Wecker („Freiheit, das heißt keine Angst haben vor nichts und niemand“) möchte ich die Frage nach dem Zusammenhang von Sex und Anarchie vorerst beantworten. Gleichzeitig habe ich hier auch eine gute Überleitung zu der Antwort auf die Frage, was uns denn beim Thema Sex so unsicher macht. Meiner Ansicht nach ist es Angst.
Angst vor Strafe, vor Verlust, vor abweichendem Verhalten, vor Unkenntnis, vor ungewolltem Verhalten usw. usf. Spätestens ab der Pubertät beschäftigen wir uns alle mehr oder weniger mit Sex. Aber schon vorher werden wir in unsere Geschlechterrollen gedrängt. Zum Teil operativ, zum Teil durch die Konfrontation mit Rollenbildern und „kindgerechtem“ Spielzeug. Doch zurück zur Pubertät. Wir fangen an uns selbst, unseren Körper, unsere Lust zu erkunden. Schon hier tragen viele von uns ein ganzen Netzwerk von Schuldgefühlen mit sich herum, fühlen einen Widerspruch zwischen dem, was sie fühlen, und dem, was ihnen beigebracht wurde. Die Entdeckung des anderen (das meine ich nicht geschlechtlich, sondern rein numerisch) macht
die Angelegenheit oft nicht leichter.
Woher sollen wir wissen, was das Gegenüber (denkt euch ruhig den Plural dazu) mag und möchte? Müssen wir gesetzte Grenzen in alle Ewigkeit akzeptieren oder dürfen wir sie überschreiten, und wenn ja, wie? Wie wirken
sich (für die Intellektuellen unter uns) gesellschaftliche Realitäten wie Staatlichkeit (im weitesten Sinn!) und Kapitalismus auf unsere Sexualität und die Konstruktion/Dekonstruktion der Geschlechterrollen aus?
Ist es OK Pornos zu schauen? Was passiert eigentlich im Pornokino? Darf ich beim Sex schlagen, fesseln, befehlen? Ist Monogamie in Ordnung? Woher kommt meine Eifersucht? Warum sitzen die Kerle im Zug immer so, das auf dem Viersitzer kein Platz mehr für mich ist? Welchen Sinn oder Unsinn machen Dinge wie
soziales und biologisches Geschlecht und wie wird das bestimmt? Geht Sex ohne Liebe? Was ist mit Beschneidung? Und noch mal: Was hat das alles mit Anarchie zu tun? Ist das Ganze nicht einfach nur eine private Angelegenheit?

* Wenn ich von Sex schreibe, denke ich Gender und alle anderen Aspekte gleich mit. Ich möchte der schriftstellerischen Einfachheit halber Sex nicht einfach nur als Geschlechtsakt verstanden wissen, vielmehr als
Überschrift für ein Netzwerk verschiedenster Begriffe.





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