
Am Freitag, den 18.6. ist der Autor Bernd Langer bei uns zu Gast, um sein Buch vorzustellen. Beginn 20.30 Uhr.
Hier noch was Inhaltliches:
Linke Urteile über die Politik der KPD in den Jahren vor der Machtübertragung an die deutschen Faschisten klaffen weit auseinander.
Vor allem trotzkistische Organisationen chrakterisieren die Partei als sowjetgesteuert, andere kritisieren vor allem die Sozialfaschismusthese und das Nichtzustandekommen einer Einheitsfront von Kommunisten und Sozialdemokraten im Kampf gegen den Faschismus.
Bernd Langer, seit den 1980er Jahren Aktivist der Antifabewegung, beleuchtet in »Revolution und bewaffnete Aufstände in Deutschland 1918–1923« die Politik der jungen KPD, den sowjetrussischen Einfluß auf sie sowie Ursprünge des Faschismus.
Detailliert geht der Autor auf die eskalierenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nach dem Ersten Weltkrieg ein und beschreibt die Spaltung der Sozialdemokratie sowie die Auswirkungen des Machtantrittes der Bolschewiki in Rußland auf Deutschland. Der Autor listet die Erhebungen –angefangen mit dem Matrosenaufstand in Kiel, dem Ausgangspunkt für die Novemberrevolution 1918 – auf und schildert die Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 durch einen Generalstreik.
Er beschreibt die daraus entstehenden Kämpfe im Ruhrgebiet mit der Bildung der Roten Ruhrarmee, geht auf den Mitteldeutschen Aufstand 1921 im Raum Halle/Merseburg ein und schildert die Abspaltung der KAPD.
Zweite Revolution
Langer beleuchtet die Umstände, die trotz vieler Unterschiede mit der heutigen Realität linker und kommunistischer Organisationen korrespondieren. Er resümiert: »Mit 1921/23 verbindet sich in Deutschland ein politischer Aufbruch, hier wird ein Markstein für die parlamentarische Demokratie gesetzt, und die Linksradikalen weisen mit ihren Utopien über den Kapitalismus hinaus.«.
In dieser Phase finde sich auch der Ursprung des Gegensatzes von Faschismus und Antifaschismus.
Langer beschreibt die Aufstände in der revolutionären Nachkriegskrise zwischen 1918 und 1923 sachlich und in vielen Einzelheiten. Das ermöglicht es den Lesern, sich ein eigenes Bild von den damaligen politischen Auseinandersetzungen in Zeiten von antikommunistisher Hetze, politischer und ökonomischer Krise zu machen. Die über 300 Abbildungen machen das Geschehen in dem lesenswertem Geschichtsbuch lebendig.
Der Autor wird auf den Januaraufstand 1919 in Berlin eingehen, einen der Höhepunkte revolutionärer Kämpfe in Deutschland. Tausende bewaffnete Arbeiter und Soldaten wollten damals eine zweite Revolution erzwingen. Sie waren entschlossen, die Räterepublik zu erkämpfen, und gingen bewußt die militärische Konfrontation ein. Besonders schwer waren die Kämpfe im Zeitungsviertel und um das Polizeipräsidium am Alexanderplatz.
Dominierende Kraft
Am Ende seines Werkes legt der Autor eigene Einschätzungen der damaligen Entwicklung dar. Demnach wurden die bewaffneten Aufstände bis 1920 vor allem von spontanem Aktivismus vorangetrieben, die Erhebungen von 1921 und der Hamburger Aufstand 1923 seien aus Sowjetrußland dirigiert worden.
Mit Unterstützung Moskaus sei die KPD zur dominierenden Kraft der linksradikalen Bewegung Deutschlands geworden.
Langer stellt die Frage, inwieweit die KPD danach aufgrund der Lenkung durch die Komintern überhaupt noch als revolutionär zu bezeichnen sei. Sie unterlag seit 1924 nach seiner Auffassung einer »stalinistischen Transformierung«, »Revolution« bleibe nur als Schlagwort erhalten…(zitiert nach der „Jungen Welt“)


Ein schöner Gang durch die Geschichte Deutschlands! Wer nicht da war hat etwas verpasst aber kann (und sollte) das ja mit dem Buch ganz leicht nachholen
Leider glänzte unsere „Zielgruppe“ durch Abwesenheit. Mist.
Denn nur wer seine Geschichte kennt, die Geschichte von unten nämlich, kann Fehler heute vermeiden und gemachte Erfahrungen verarbeiten.
Der Bernd hat nicht nur ein flüssig heruntergeschriebenes Buch gemacht, er kann auch vortragen. Dabei steht außer Frage, das mensch nicht immer mit dem Autoren einer Meinung sein muss. „Lenin als größter Revolutionär seiner Zeit“…naja! Da sträuben sich die Nackenhaare.