Inglourious Basterds

Ein bißchen spät, aber dennoch…wir haben ihn uns nun angeschaut, und wie schon bei Fight Club und den anderen Tarantino Machwerken bleibt am Ende ein ganz mieses Bauchgefühl, und die Frage, warum so ein Mist von so manchen guten Bekannten hoch bejubelt wird… wo doch noch nicht mal der Titel richtig geschrieben ist *lol* (Mr. Ts Begründung laut „Stern“: er findet, „basterds“ hört sich einfach besser an… Aha :-) )

Eine gute Kritik von Hiram Lee:

Quentin Tarantino’s jüngster Film Inglourious Basterds wurde von den Kritikern bejubelt und bewegt sich seit seiner Premiere am 21. August an oder in der Nähe der Spitze der US-Kinocharts. Es ist ein durch und durch abstoßendes Werk, in dem Tarantino einem Massenpublikum mal wieder eine Folge von verworrenen und sadistischen Bildern zumutet.

Der Film ist ein makabres Märchen, das mit einer Titelkarte beginnt, auf der steht: „Es war einmal im Nazi-besetzten Frankreich“. Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von acht Elite-Kämpfern, genannt die Inglourious Basterds. Die Truppe, angeführt von Aldo Raine (Brad Pitt), ist ein verdeckt arbeitendes Guerrilla-Todesschwadron, das sich aus jüdisch-amerikanischen Nazi-Jägern zusammensetzt.

Raine erklärt seinen Männern, dass sie ihm nur eins schuldig sind: Jeder der Basterds soll ihm die Skalps von 100 toten Nazis bringen. Es gibt plastisch geschilderte, brutale Szenen, in denen seine Männer daran arbeiten, ihrer Verpflichtung nachzukommen.

Das Schicksal der Basterds wird sehr schnell verflochten mit der Geschichte von Shosanna (Mélanie Laurent), einer jungen jüdischen Frau, deren Familie 1941 von den Nazis bei einem Angriff getötet wird, dem sie selbst nur knapp entrinnt. Shosanna ist jetzt Besitzerin eines Kinos in Paris und Fredrick Zoller (der talentierte Daniel Brühl), verliebt sich in sie. Fredrick Zoller ist ein deutscher Kriegsheld und Star eines Propagandafilms, der eines seiner Gefechte schildert. Sie verachtet den jungen Soldaten

Sehr zum Entsetzen von Shosanna macht Zoller mit Joseph Goebbels aus, dass der Propagandafilm Der Stolz der Nation in ihrem Kino gezeigt wird. Als Shosanna jedoch erfährt, dass die Nazi-Führung zugegen sein wird, darunter Hitler selbst, erkennt sie plötzlich, dass sich ihr die Gelegenheit bietet, den Mord an ihrer Familie zu rächen. Sie plant, ihr Kino abzubrennen und damit die Nazi-Führung zu töten.

Der britische Heeres-Abwehrdienst bekommt davon Wind und macht seine eigenen Interventionspläne. Er schickt einen britischen Agenten, der sich mit den Basterds treffen, in die Galavorstellung eindringen und das Gebäude zusammen mit den faschistischen Führern zerstören soll. Weder Shosanna noch die Basterds wissen etwas von dem Plan.

Es ist keine Überraschung, dass Inglourious Basterds ein miserabler Film ist. Trotz der scheinbar ernsten Kulisse des Zweiten Weltkriegs findet man in diesem Werk dieselben Elemente, die man von Tarantinos Filmen zu erwarten gewohnt ist: grundlose, psychopathische Gewalt, endlose Verweise auf die Pop-Kultur, die Verherrlichung von Rache, langatmige und ermüdende Szenen mit nebensächlichen Dialogen, eine unsichere Art der Kameraführung und des Schnitts sowie ein alles durchdringender Zynismus. Und all das wird mit einem hinterhältigen Augenzwinkern in Richtung Publikum präsentiert. Die Pyrotechnik übertüncht wie immer den Mangel an Tiefe und die durchgängige Langeweile des Films.

Tarantino besitzt ein umfassendes Wissen der Filmgeschichte oder von bestimmten Teilen, aber das nützt ihm nicht viel. Er schlägt immer den Weg des geringsten Widerstands ein. Der Drehbuchautor und Regisseur bevorzugt billiges Material, das in schlechten Kinos gezeigt wird: Kampfsport-Filme, Blaxploitation-Arbeiten aus den 1970ern, „Mitternachts-Filme“ und Italowestern. Solche, völlig unkritisch aufgenommene, Filme haben Tarantino am meisten geprägt und nicht Filme, die ein tieferes Verständnis des Lebens bieten. Anti-Intellektualismus und Faulheit wurden hier zum Programm gemacht

Tarantinos obsessives, unfokussiertes Interesse an allen Dingen, die Filme betreffen und sein mangelndes Interesse am wirklichen Leben sind eine verhängnisvolle Schwäche und führen dazu, dass der Regisseur von bestimmten sozialen Prozessen beeinflusst wird, die er noch nicht einmal zu verstehen begonnen hat. Das bedeutet nicht, dass Tarantino einfach unschuldig und blind in die widerlichen Bereiche stolpert, in denen er sich so oft wieder findet. Er wird davon angezogen, findet Vergnügen daran und unterstützt sie aktiv.

Die „Helden“ in Inglourious Basterds sind sadistische Mörder, die ihre Folter- und Mord-Mission und selbst das Skalpieren ihrer Feinde genießen. Den Faschismus mit Faschismus bekämpfen – was soll man davon halten?

Wie immer werden die Verteidiger von Tarantino behaupten, seine ultra-stilisierte Darstellung von Gewalt könne nicht ernst genommen werden. „Das ist doch nur ein Film“, ist der Refrain, den man immer wieder hört.

Aber Tarantinos Filme haben eine Bedeutung, egal wie sehr er und seine Anhänger behaupten, sie hätten keine, und gewisse gesellschaftliche Stimmungen schlagen sich darin nieder. Kann man die wachsende Faszination des Regisseurs mit Rache außerhalb des Kontextes eines krisengeschüttelten, niedergehenden Amerikas nach dem 11. September verstehen?

Inglourious Basterds kam in derselben Woche in die Kinos, in der ein interner CIA-Bericht mit detaillierten Informationen über das entsetzliche Foltern von Gefangenen im Irak und Afghanistan veröffentlicht wurde; dazu gehörte auch mit Waffen und elektrischem Strom das Leben der Gefangenen zu bedrohen. Der Film passt sehr gut zu den Enthüllungen der entsetzlichen Folterungen in Abu Ghraib und dem Gefängnislager in Guantánamo Bay auf Kuba. Massen von Menschen wurden in den blutigen Kolonialkriegen getötet, die die USA seit 2001 führen.

Auf diesem Hintergrund, auf dem amerikanische Soldaten ihre Feinde foltern und auf dem Schlachtfeld hinrichten, einen Film zu produzieren, bei dem das Publikum aufgefordert wird, bei solchen Gräueltaten zu lachen und sogar dazu anzufeuern, ist durch und durch verwerflich. Tarantino spricht die schlimmsten Instinkte der Zuschauer an. Dieser Film gehört mit Sicherheit zu den ungesündesten Arbeiten, die in den Jahren seit den Anschlägen vom 11. September erschienen sind.

Der Auftritt von Eli Roth, bekannt geworden als Regisseur von Hostel und anderen Filmen in der so genannten „Folter-Porno“-Gattung von Horror-Filmen, ist besonders bestürzend. Die Rolle, die Roth unter dem Spitznamen „Juden-Bär“ spielt, besteht darin, gefangene Nazis mit einem Baseball-Schläger totzuschlagen.

In einer der grauenvollen Szenen des Films, schlägt Roths „Juden-Bär“ plastisch einen Nazi-Offizier tot, während er verzückt Baseball-Ausdrücke von sich gibt. Und das ist einer der Helden des Films! Die Basterds zeigen genau die Art von sadistischen Impulsen, die zum Handwerkszeug der Nazis gehörten, speziell in der hitzigen Abschlussszene des Films in Shosannas Kino. Hier wird ein Massaker als letztendliche Katharsis für Shosanna und die Basterds geschildert.

Das alles sollte man mit dem jüngsten Film von Steven Spielberg, München, vergleichen – in vieler Hinsicht ein bemerkenswerter Film –, der die wahre Geschichte einer Gruppe von israelischen Killern erzählt, deren Auftrag darin besteht, palästinensische Führer zu ermorden, als Vergeltung für die Ermordung von Mitgliedern des israelischen Olympiateams bei der Olympiade 1972 in München. Ihre Mission hat verheerende moralische und soziale Folgen, darunter auch für die Täter selbst. Tarantino geht in die entgegen gesetzte Richtung und kommt zu entgegen gesetzten Schlussfolgerungen, und das nicht zufällig. Sein Film Inglourious Basterds ist auf seine ganz eigene Art und Weise die reaktionäre Antwort auf diese Arbeit.

Dass so viele Kritiker München verschmähten und jetzt Tarantinos letzten Film bejubeln, ist ein Beleg für die gegenwärtige Krise des intellektuellen und kulturellen Lebens. Bei Inglourious Basterds hört man von den offiziellen Trendmachern bekannte Töne.

Rex Reed vom New York Observer hat überhaupt keine Probleme mit Tarantinos Rückständigkeit. Er schreibt: „Wie alle Filme von Quentin Tarantino ist Inglourious Basterds zum Verzweifeln, absurd, grausam, zynisch, in höchstem Maße überheblich, rassistisch, naiv sekundär und brutal lustig. Er ist auch eine einzige riesige, extreme Unterhaltung.“

David Edelstein vom New York Magazine schreibt: „Das ist ein unerschrockener feuchter Traum von Rache. Wenn man Raine sieht, wie er einen knienden Kommandanten in die Mangel nimmt, während er rittlings auf skalpierten Nazis sitzt, während in der Nähe ein Jude (Regisseur Eli Roth) mit einem Baseball-Schläger gruselige Übungsschläge austeilt, dann wünscht man sich, es sei so [passiert]. Das muss man doch mögen?“

In einer Kritik mit dem Titel „Quentin Tarantinos Inglourious Basterds macht sich einen Spaß aus dem Revisionismus des Holocaust“ erklärt J. Hoberman vom Village Voice über den Film: „Dies ist ein alternativer 2. Weltkrieg, in dem die Juden die Nazis terrorisieren und abschlachten – ein gerechter Holocaust.“

In Inglourious Basterds sind die Amerikaner ganz einfach die Guten und jede Art von Terror, den sie gegenüber ihren Feinden ausüben, ist gerechtfertigt. Während Tarantinos Feinde die Nazis sind, sollte die Schlussfolgerung, die sich daraus für die gegenwärtigen Ereignisse ergibt, jedem klar sein.

So wie es aussieht, ist die Tatsache, dass Tarantino den 2. Weltkrieg und die Nazis in seinem neuesten Film benutzt, völlig unaufrichtig und beliebig. Tarantinos Beweggrund, seinen Film im 2. Weltkrieg spielen zu lassen, hat nichts damit zu tun, die Bedeutung dieser Periode zu verstehen; er schreibt deren Geschichte bei jedem Schritt um. Vielmehr dachte Tarantino, wie er der Los Angeles Times mitteilte: „Es wäre doch total geil, einen Italowestern zu drehen und dabei die Ikonografie des 2. Weltkriegs zu benutzen.“ Mit anderen Worten, der Krieg ist nur eine weitere Kulisse, die Tarantino instrumentalisieren und als Spielweise für seine Zügellosigkeit benutzen kann.

Es könnte auch sein, dass der Regisseur versucht, auf diejenigen zu reagieren, die meinten, sein letzter Film, das fürchterliche „Doppelprogramm“ Grindhouse, sei zu trivial gewesen. Wenn er dieses Mal seine sadistischen Mörder zu Nazi-Jägern macht, kann sich dann noch jemand beschweren? Bestimmt nicht die Film-“Kritiker“.

Tarantinos Film quält sich über sehr lange zweieinhalb Stunden bis zum brutalen Ende hin. In dieser Zeit hat man den Mord an einer Reihe von Menschen und das Umschreiben der Geschichte erlebt. Man möchte schon gehen, aber Tarantino schafft es, den Zuschauern noch eine Kostprobe zu geben.

In den letzten Minuten des Films ritzt Aldo Raine ein Hakenkreuz in die Stirn eines prominenten Nazis. Dies, wie auch die Gewalt im übrigen Film, wird mit anschaulichen Details gezeigt. Die Kameraperspektive ändert sich dann und wir sehen Aldo aus der Sicht des gefolterten Nazis. Raine sieht sich seine Schnitzerei an (und schaut dann in die Kamera) und sagt stolz zu einem Gefährten und zu den Zuschauern: „Ich denke, das wird mein Meisterwerk sein.“ Der Film endet mit diesem Kommentar. Es ist ein Augenblick, der es verdient hat als der zynischste in die jüngste Filmgeschichte einzugehen.

Quentin Tarantino wird als nächstes einen Film mit dem Titel Machete produzieren, dessen Regisseur Robert Rodriguez sein wird. Das Motto des neuen Films ist: „Gestern war er noch ein anständiger Mann, der ein anständiges Leben führte, jetzt ist er ein brutaler Barbar, der metzeln muss, um zu überleben.“

Quelle:
World Socialist Web Site, 04.09.2009
Inglorious Basterds: Quentin Tarantino zieht in den Krieg


Als Kontrastprogramm zu diesem Kulturschock lese ich lieber weiter in der wirklich aufrüttelnden Biographie der indischen Frauen- und Menschenrechtlerin Phoolan Devi….


2 Antworten auf „Inglourious Basterds“


  1. 1 Hiby 09. Dezember 2009 um 8:47 Uhr

    „Gestern abend im Kino. Lauter Kriegsfilme. Ein sehr guter dabei, über ein Schiff voller Flüchtlinge, das irgendwo im Mittelmeer bombadiert wird. Publikum fand Aufnahmen von einem großen dicken Mann besonders lustig, der versuchte, vor einem Helikopter davonzuschwimmen. Publikum brüllte vor Lachen, als er versank. Dann sah man ein Rettungsboot voller Kinder und darüber kreiste ein Helikopter. Dann kam eine wunderbare Aufnahme von einem Kinderarm, der höher und immer höher in die Luft fliegt, ein Helikopter mit einer Kamera in der Kanzel muß hinterhergeflogen sein und es gab eine Menge Applaus von den Parteiplätzen….“ (Orwell, „1984″)

  2. 2 dreaven3 19. Dezember 2009 um 0:43 Uhr
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