Kurzer Bericht zur Veranstaltung mit G. Kuhn

Ähnlich wie in Hamburg und Münster war das Publikum nicht gerade in Massen in die „Barrikade“ geströmt. Nichtsdestotrotz wars ein interessanter Abend. Gabriel ist ein symphatischer Typ, der locker die Broschüre vorstellte und uns einen Überblick über die schwedische Szene und die Rolle der syndikalistischen Organisation SAC gab. In dem Zusammenhang fiel die Härte der Auseinandersetzungen zwischen schwedischen Neo-Nazis und der antifaschistischen Organisationen auf. Das die schwedische Naziszene vor nichts zurückschreckt war ja schon lange bekannt, das die antifaschistische Seite entsprechend darauf reagiert eher nicht. Für hiesige Verhältnisse ist es schon ungewöhnlich, das Antifaschistinnen einen Nazifunktionär öffentlich verprügeln oder gar mit Messer herumhantieren…

Kern der Diskussion blieb aber der Inhalt der Broschüre, die Problematik nämlich, wie Leute aus unteren Schichten der arbeitenden Klasse an die sogenannte linke Szene andocken können. Geschildert wurde, wie Leute, die wir eher als „Mittelstandsbubies“ bezeichnen würden, in vielerlei Hinsicht tonangebend sind, was Verhalten, sogenannte Dress-Codes, kulturelle Vorlieben usw. angeht. Von diesen alternativ mittelständischen Normen und Wertvorstellungen abgesehen ist es selbstverständlich wesentlich, ob mensch Kohle auffe Tasche hat oder nicht. Ob mensch sein Geld einteilen muss, Angst um den Verlust seines mickrigen Lohnarbeitsplatzes hat oder vieles viel lockerer sehen kann, da ja das Geld in irgendeiner Form prinzipiell vorhanden ist, ob als zukünftiges fettes Erbe, ob Papa und Mama einspringen, wenn es mal finanziell eng wird usw.
Das prägt schon von Kindesbeinen an. Dazu kommt natürlich eine bessere Bildung, Studium ist obligatorisch und selbstverständlich hat der junge Mensch aus der Mittelschicht andere Umgangsformen, bessere Connection und fällt nicht so leicht auf die Nase, ins sogenannte soziale Abseits.
Das in aller Kürze.
Als „Schwäche“ der Broschüre wurde u.a. eine fehlende Klassendefinition bemängelt, diese Kritik wurde vom großen Teil des Publikums nicht geteilt. Trotzdem:
Eine kluge Definiton von Klasse wäre meines Erachtens eine gute Ausgangsbasis, um die Dinge herauszuarbeiten, die uns eher verbinden als trennen, um so eine Problemlösung anzustreben. Das geht der Broschüre nämlich gänzlich ab, die fehlende Perspektive. Aber das war wohl auch nicht Sinn der Texte, wie eine Genossin betonte, sondern erstmal das problematisieren eines Zustandes in linken Organisationen, Szenen und Cliquen. Und das ist auf hiesige Verhältnisse ohne weiteres übertragbar. Ein Blick auf die diversen AntiFa Gruppen geben ein nettes Beispiel…

Nachtrag:
Sehr interessant ist die Reaktion etlicher Leser der Broschüre, viele erzählen von ihrer eigenen Lage, ihrer Sozialisation, der Schwierigkeit politisch aktiv zu werden, in eine Gruppe hinein zu gelangen… So gesehen haben die Texte durchaus was angestossen.


1 Antwort auf „Kurzer Bericht zur Veranstaltung mit G. Kuhn“


  1. 1 Wir sind alle Terroristen die Zweite | Barrikade-Moers Pingback am 30. Januar 2010 um 19:45 Uhr
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