GENERATION MY SPACE

Die Zeiten ändern sich.
Die Jugend in den Sechzigern protestierte gegen Krieg, Autorität und sexuelle Unterdrückung. In den Siebzigern und Achtzigern engagierten sie sich in der Anti-AKW-Bewegung und der Hausbesetzerszene. Die Autonome Szene, welche zum größten Teil aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht, war nie so groß wie in den Achtzigern.
Und was macht die Jugend heute? Sie ist erschreckend ruhig geworden, sie hat Akzeptanz entwickelt gegenüber einer ungerechten Welt. Es ist eine Generation, die zwischen Karrieregeilheit, postmoderner Selbstverwirklichung und blindem Hedonismus gefangen ist.

Karriere, egal wie
Unzählige Studien belegen, dass es für Jugendliche immer wichtiger wird, ein Teil der bürgerlichen Gesellschaft zu werden und möglichst weit aufzusteigen. Eine unglaubliche Identifikation der Jugend mit dem Kapital und den Institutionen des Staates prägt vor allem das Bild der deutschen Gymnasien, eine Identifikation, welche vor einer Generation noch undenkbar gewesen wäre.
Solidarität mit Ärmeren und Schwächeren fehlt dieser Generation völlig; Vielmehr geht es um folgendes: „Ellenbogen raus und durchboxen“. Bürgerliche Zeitungen nennen diese Generation „pragmatisch und verantwortungsbewusst“.

Die Myspace-Selbstverwirklichung

Trotz ihrer konformistischen Einstellung fühlt sich die Jugend frei und individualistisch. Selbstverwirklichung wird nach wie vor groß geschrieben, der Term hat sich aber in seiner Bedeutung radikal verändert. Während die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit in den Jugendkulturen der Sechtziger und Siebziger noch ein Projekt war, das gegen das Establishment gerichtet war, eine Protestform, die eine Anklage gegen repressive Werte und Normen darstellt, gibt es im „Individualismus“ der heutigen Generation junger Menschen kein progressives Element. Der Kapitalismus hat auch hier bewiesen, dass er beinahe alles in sich aufnehmen und vermarkten kann, dass er also ehemals progressive gesellschaftliche Veränderungen zu einem Teil seiner Totalität machen kann.
Die Internetplattform „Myspace“ (ebenso wie ähnliche Seiten, z.b. „SchülerVZ“ und „StudiVZ“), ist das perfekte Beispiel für die Selbstdarstellung dieser Generation. Es geht bei „Myspace“ grob gesagt darum, sich eine möglichst interessante Profilseite zu erstellen, „Freunde“ zu sammeln und Kommentare auszutauschen, die für jeden ersichtlich auf der Profilseite erscheinen. Es besteht die Möglichkeit, Bilder von sich hochzuladen und sie von anderen Kommentieren zu lassen, eine Möglichkeit, die von den allermeisten Nutzern der Internetplattform exzessiv genutzt wird. So macht sich der Jugendliche letztlich selbst zu einer Ware, seine Selbstverwirklichung löst sich auf in den Prinzipien kapitalistsicher Konkurrenz. In einer Welt, in der die freie Entfaltung jedes Einzelnen ebenso unmöglich ist wie die freie Entfaltung aller, ist die Suche nach einer künstlichen Identität (leider) nichts verwunderliches, doch die Art und Weise auf die sich die „Mypsace“-Nutzer präsentieren erinnert an eine Werbebroschüre. Möglichst viele Freunde haben, möglichst coole Bilder hochladen und möglichst interessant wirken. Dann erhöht man seinen Marktwert. „Myspace“ zeigt, wie Jugendliche sich freiwillig auf einem virtuellen Markt anbieten, es verdeutlicht die Entfremdung und Perspektivlosigkeit einer Generation, die alle Grundregeln der kapitalistischen Ökonomie stillschweigend akzeptiert und verinnerlicht hat.

Nur Schwarzmalerei?

Obwohl die Situation dieser Generation nicht gerade erfreulich ist, darf auch nicht verschwiegen werden, dass nach wie vor Jugendliche politisch aktiv sind, dass nicht alle der Unterdrückung und Herrschaft kritiklos gegenüberstehen. Da diese Generation bald Arbeitskämpfe führen und agitieren muss, sollte es für Anarchisten immer von hoher Priorität sein, sie zu erreichen und ihnen zu helfen, aus dieser gefährlichen Apathie zu entkommen.

    Dennis





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